Für jeden Zuchtbullen wird die genetische Ausstattung für sein individuelles Exterieur und für seine individuelle Leistungsfähigkeit über sogenannte PTAs (Predicted Transmitting Abilities) beschrieben. Bestimmte, für den Züchter wichtige Eigenschaften eines Tieres, darunter auch einige PTAs, werden in sogenannten Gesamtzuchtwerten zu einem Gesamtbild eines Bullen zusammengefasst. Die Gesamtzuchtwerte können auf diese Weise als wichtiges Hilfsmittel für die Selektion verwendet werden, um überlegene Tiere zu identifizieren. Einen bedeutenden Gesamtzuchtwert beschreibt der TPI (Total Performance Index). Er gilt gemeinhin als Branchenstandard und wird daher für alle Alta Bullen berechnet.

Da sich die Berechnung des TPI immer wieder ändert, findet Sie HIER eine Zusammenfassung der aktuellen Formel.

 

Hier finden Sie eine Übersicht verschiedener PTAs:

PTA: Predicted Transmitting Abilities

Bei den PTAs handelt es sich um Schätzwerte für die genetische Überlegenheit (oder Unterlegenheit) eines Bullen. Sie können auch als durchschnittlicher genetischer Wert, den ein Bulle in einem bestimmten Merkmal an seine Nachkommen vererbt, verstanden werden. Im Gegensatz zu den PTAs werden in Deutschland Zuchtwerte errechnet. Der Unterschied ist, dass beim Zuchtwert nur der halbe Wert an die Nachkommen weitergegeben wird.

1lb: 1 Pfund, entspricht 0,45 kg

GTPI: Genomic Total Performance Index
Der GTPI ist der genomische Gesamtzuchtwert.

NM$: Net Merit in Dollar
Mit dem NM$ Gesamtzuchtwert wird der zusätzliche monetäre Wert eines neuen Tieres für seine gesamte Lebensdauer angegeben.

AV: Alta Value in Dollar
Dieser Gesamtindex wurde von Alta entwickelt. Er wird als Nettowert angegeben, d.h. er drückt den monetären Mehrwert, den eine zusätzlich erzeugte Tochter während ihrer Lebensdauer produziert, direkt in eine heute vergleichbare Summe aus.

CM$: Cheese Merit in Dollar
Der CM$ wird von der USDA definiert und zielt auf Milch, die für die Käseverarbeitung gewonnen wird, ab. In diesen Index fließen neben der Milchleistung (52 %) auch die Tiergesundheit (36 %) und das Exterieur (12 %) mit ein.

 

Leistungsmerkmale:

PTAM: Predicted Transmitting Ability Milk
Mit dem PTAM wird der PTA für Milch angegeben.

PTAP: Predicted Transmitting Ability Protein
Der PTAP beschreibt den PTA für Protein, also den durchschnittlichen genetischen Wert, den ein Bulle für das Merkmal Protein an seine Nachkommen vererbt.

PTAF: Predicted Transmitting Ability Fat
Der PTAF beschreibt den PTA für Fett, also den durchschnittlichen genetischen Wert, den ein Bulle für das Merkmal Fett an seine Nachkommen vererbt.

FE: Feed Efficiency
Die Futtereffizienz bewertet die Futternutzungsrate eines Tieres. Dabei wird die Fähigkeit einer Kuh, große Mengen an Milch zu produzieren ohne dabei große Futtermengen zu konsumieren, untersucht. Die Futtereffizienz wird nach der folgenden Formel berechnet:
FE = (Geldwert der produzierten Milch)-(Futterkosten für zusätzliche Milch)-(zusätzliche Haltungskosten)

PTAT: Predicted Transmitting Ability Type (Exterieur)
Der PTAT beschreibt den PTA für das Exterieur, also den durchschnittlichen genetischen Wert, den ein Bulle für das Exterieur an seine Nachkommen vererbt. Die PTAT bewegen sich i.d.R. zwischen -3,0 und +3,0. Höhere Werte stehen dabei für eine bessere physikalische Anpassung.

CFP: Combined Fat and Protein
Der CFP gibt den kombinierten Fett- und Eiweißwert an. Als physiologischer Normalbereich werden für den CFP Werte zwischen 1,1 und 1,5 angenommen.

PTAC: Predicted Transmitting Ability Components
Mit dem PTAC wird der PTA für Inhaltsstoffe angegeben.

 

Exterieurmerkmale:

DF: Dairy Form
Der Milchtyp fließt mit 1 % in den TPI ein. Hier werden die Schärfe im Widerrist, der Rippenabstand, die Harmonie (in Form von Körperproportionen, Übergängen, Oberlinie, Haut und Haaren), sowie das Skelett, die Halslänge und die Kopfform eines Tieres bewertet.

UDC: Udder Composite
Der Euterindex ist das Ergebnis einer Studie der Holstein Association in den USA. Er stellt den Gesamtzuchtwert für das Euter dar. In den UDC fließen verschiedene Merkmale ein, die die Langlebigkeit von Kühen steigern. Dabei werden folgende Merkmale mit der entsprechenden Gewichtung einbezogen:

  •  17 %  Eutertiefe
  •  13 %  Vordereuteraufhängung
  •  19 %  Hintereuterhöhe
  •  16 %  Hintereuterbreite
  •    7 %  Zentralband
  •    4 %  Strichplatzierungsoptimum
  •    3 %  Strichplatzierung vorne
  • -17%   Größe

 

FLC: Feet & Legs Composite
Sowohl Klauen und Sprunggelenk, als auch die Hinterbeinstellung sind für Holsteinzüchter von großer Wichtigkeit. Der FLC stellt einen Wert dar, der genau diese Merkmale in den Fokus nimmt und somit als Gesamtzuchtwert für das Fundament verstanden werden kann. Er soll Holstein-Züchtern dabei helfen, die Langlebigkeit und die Profitabilität der Kühe zu steigern. Dabei werden folgende Merkmale in der dargestellten Gewichtung einbezogen:

  •  58%  Fundamentbewertung
  •    8%  Klauenwinkel
  •  18%  Hinterbeinstellung
  •  17%  Größe

 

RTP: Rear Teat Placement
Das Merkmal der hinteren Strichplatzierung ist insbesondere für Kühe, die am Roboter gemolken werden, interessant. Bei der Selektion nach diesem Merkmal wird darauf geachtet, dass eine ausreichende Distanz zwischen den einzelnen Strichen vorhanden ist, um so dem Roboter eine einfachere Erkennung, sowie ein einfacheres Erreichen der einzelnen Striche zu ermöglichen.

TL: Teat Lenght
Da die Länge der Striche geringer geworden ist, hilft eine Selektion auf Vererber längerer Zitzen dabei, die Befestigung der Melkeinheit sicherzustellen.

UD: Udder Depth
Die Eutertiefe ist insbesondere für robotergemolkene Tiere zu beachten, da sichergestellt werden muss, dass ausreichend Freiraum für das Melkgeschirr erhalten bleibt.

RLRV: Rear Leg Rear View
Die Hinterbein-Rückansicht ist ein relevantes Merkmal, da es Einfluss auf die Lebensproduktivität hat.

 

Gesundheitsmerkmale:

Da die Gesundheit, ebenso wie die Fruchtbarkeit, zu einem großen Teil vom Management und Umweltfaktoren beeinflusst werden, weisen diese Merkmale eine geringere Reliabilität auf, als beispielsweise Leistungs- oder Exterieurmerkmale.

PL: PTA Productive Life
Der PTA PL stellt eine Maßeinheit für den Zeitraum dar, den eine Kuh in einer Herde als „produktives“ Tier verbringt. Er repräsentiert, wie viele Monate zusätzlicher (oder weniger, sofern es sich um eine negative Zahl handelt) Lebenszeit von der Tochter eines Bullen erwartet werden kann. Die PTA PL liegt im Wertebereich zwischen -7,0 und +7,0. Hohe Werte werden dabei bevorzugt. Weist ein Bulle bspw. ein PL von +5,9 auf, bedeutet dies, dass die Nachkommen erwartungsgemäß fast 6 Monate länger in der Herde bleiben als ein durchschnittliches Tier.

SCS: PTA Somatic Cell Score
Zur Bestimmung des PTA Somatic Cell Scores werden die Ergebnisse der monatlichen Milchleistungsprüfung verwendet. Diese Auswertungen ergeben einen Indikator für das Mastitis-Risiko der Bullentöchter. Die PTAs für Somatic Cell Score bewegen sich i.d.R. im Bereich zwischen 2,5 und 3,5. Höhere Werte deuten darauf hin, dass Töchter höhere Zellzahlen aufweisen. Niedrige Werte sind deshalb erwünscht.

FI: Fertility Index
Der Fruchtbarkeitsindex kombiniert mehrere Reproduktionskomponenten in einem gemeinsamen Index. In den FI fließen ein: Die Fähigkeit als Färse aufzunehmen, die Fähigkeit als laktierende Kuh aufzunehmen, die generelle Fähigkeit nach der Kalbung wieder in den Zyklus zu starten, Brunstsymptome zu zeigen, sowie die Trächtigkeit aufrecht zu erhalten.

DCE: PTA Daughter Calving Ease
Die DCE beschreibt den maternalen Kalbeverlauf. Dieser misst die Fähigkeit einer bestimmten Kuh (d.h. der Tochter des jeweiligen Bullen) leicht zu kalben. Hohe Werte zeigen an, dass die Töchter des Bullen tendenziell schwerer kalben als bspw. Töchter von Bullen mit niedrigem DCE. Weltweit werden etwa 8 % der Kalbunge bei Rindern als “schwierig” erfasst. Bullen, die eine DCE von bis zu 8 % aufweisen, werden daher als eher leichtkalbig eingeordnet und können bei Färsen und schmalen Kühen eingesetzt werden. Alle Bullen, die höhere Prozentzahlen aufweisen, sollten mit Vorsicht bei Färsen oder kleineren Kühen eingesetzt werden, da sie eine höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, zu einer Schwergeburt zu führen.

DPR: PTA Daughter Pregnancy Rate
Der DPR ist der Zuchtwert für Töchterfruchtbarkeit. Er ist dem deutschen Relativzuchtwert Reproduktion (RZR) sehr ähnlich. Er beschreibt den Anteil der nicht trächtigen Kühe, die innerhalb einer 21-Tage-Periode trächtig werden. In diesen Zuchtwert fließt als ein Parameter die Rastzeit ein. Hier wird beobachtet, wie schnell eine Kuh nach dem Kalben wieder brünstig wird. Weiterhin fließt auch die Konzeption in den DPR ein. Die DPR liegt üblicherweise im Wertebereich von +3,0 bis -3,0. Höhere Werte werden dabei bevorzugt.
Ein DPR-Wert von 1,0 bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Töchter dieses Bullen während eines Zyklus trächtig werden um 1% höher liegt als Tiere der Vergleichsbasis. Jede Steigerung um 1% ist gleichbedeutend mit einer 4 Tage kürzeren Güstzeit.

SCE: Sire Calving Ease
Der SCE kennzeichnet den paternalen Kalbeverlauf. Mit dem SCE wird gemessen, ob Kälber eines bestimmten Bullen schwer oder leicht geboren werden. Der Branchendurchschnitt SCE beträgt ~ 8%, was bedeutet, dass ca. 8 % der Geburten bei Färsen die zum ersten Mal kalben aufgrund des genetischen Einflusses des Vaters “schwer” sind. Bullen, die eine SCE von bis zu 8 % aufweisen, werden daher als eher leichtkalbig eingeordnet.

SSB: Sire Stillbirth
Die SSB ist die paternale Totgeburtenrate. Dieser Parameter misst die Totgeburtenrate bei den Kälbern eines bestimmten Bullen.

DSB: Daughter Stillbirth
Die DSB ist die maternale Totgeburtenrate. Dieser Parameter misst die Totgeburtenrate einer bestimmten Kuh (d.h. der Tochter des jeweiligen Bullen).

SCR: Sire Conception Rate
Die paternale Konzeptionsrate ist ein Maß für die Fruchtbarkeit eines Bullen. Sie basiert auf Ergebnissen realer Trächtigkeitsuntersuchungen.

HCR: Heifer Conception Rate
Die Konzeptionsrate für Färsen gibt den prozentualen Anteil der tragenden Färsen an allen besamten Färsen in einem Zyklus an.

CCR: Cow Conception Rate
Die Konzeptionsrate für Kühe gibt den prozentualen Anteil der tragenden Kühe an allen besamten Kühen in einem Zyklus an.

EFI%: Estimated Future Inbreeding
Der geschätzte zukünftige Inzuchtkoeffizient wird ermittelt, indem in einer Stichprobe von Tieren eine theoretische Anpaarung jedes dieser Tiere mit einem bestimmten Bullen erfolgt. Für jede dieser theoretischen Anpaarungen wird dann die Inzuchtrate berechnet und über die gesamte Stichprobe gemittelt.
Neben dem EFI % existiert zusätzlich der GFI % (genomic future inbreeding), der jedoch nur solche Populationen für bestimmte Anpaarungen betrachtet, die genomisch getestet sind. Daher kann das genetische Profil eines Tieres genau betrachtet werden, anstatt zu schätzen, welche Gene es von welchem Elternteil erhielt. Hierdurch liefert der GFI % genauere Werte als der EFI %.

Die folgenden sechs Gesundheitsmerkmale wurden zur Zuchtwertschätzung im April 2018 veröffentlicht. Bei allen handelt es sich um die Widerstandsfähigkeit gegenüber der Krankheit. Ausführliche Informationen finden Sie HIER.

MAST: Mastitis

Bei 95% der Bullen wird ein Wert zwischen -3,2 und +3,2 erwartet. Je höher der Wert, desto widerstandsfähiger ist das Tier gegenüber einer Mastitis-Erkrankung.

KET: Ketose

Bei 95% der Bullen wird ein Wert zwischen -1,8 und +1,8 erwartet. Je höher der Wert, desto widerstandfähiger ist das Tier gegenüber einer Ketose.

NGV: Nachgeburtsverhalten

Bei 95% der Bullen wird ein Wert zwischen -1,6 und +1,6 erwartet. Je höher der Wert, desto widerstandsfähiger ist das Tier gegenüber Nachgeburtsverhalten.

MET: Metritis

Bei 95% der Bullen wird ein Wert zwischen -1,8 und +1,8 erwartet. Je höher der Wert, desto widerstandsfähiger ist das Tier gegenüber einer Metritis.

LAB: Labmagenverlagerung

Bei 95% der Bullen wird ein Wert zwischen -2,0 und +2,0 erwartet. Je höher der Wert, desto widerstandsfähiger ist das Tier gegenüber einer Labmagenverlagerung.

MF: Milchfieber

Bei 95% der Bullen wird ein Wert zwischen -0,8 und +0,8 erwartet. Je höher der Wert, desto widerstandsfähiger ist das Tier gegenüber einer Milchfieber-Erkrankung.

Genetische Codes für Hornlosigkeit:

PO: Observed polled – beobachtet hornlos
CP: Tested heterozygous polled  – Heterozygot hornlos getestet
PP: Homozygous polled – Homozygot hornlos getestet
RC: Carries gene for red hair Color – Kennzeichen für Rotfaktor

 

Funktionsstörende rezessive Gene und Haplotypen:

BL = Bovine Leukozyte Adhesion Deficiency (BLAD)   | TL = BLAD frei
Von BLAD betroffene Tiere weisen eine gestörte Funktion der weißen Blutzellen auf, wodurch sie anfällig für Infektionen sind.

CV = Complex Vertebral Malformation (CVM)   | TV = CVM frei
Von CVM betroffene Tiere weisen eine schwere Entwicklungsstörung der Wirbelsäule auf. Die Kälber werden abortiert, zu früh oder tot geboren. An der Wirbelsäule können Missbildungen auftreten, die Tiere können verkürzte Wirbelsäulen oder versteifte, nach innen verdrehte Gelenke an allen vier Gliedmaßen aufweisen.

DP = Deficiency of the Uridine Monophosphate Synthase (DUMPS)   | TD = DUMPS frei
Die schwerwiegendste Konsequenz einer Infektion mit DUMPS ist embryonaler Frühtod.

BY = Brachyspina   | TY = Brachyspina frei
Die Mehrzahl der von Brachyspina betroffenen Trächtigkeiten endet mit einem Verkalben innerhalb der 40 ersten Trächtigkeitstage. In den sehr seltenen Fällen, in denen die Trächtigkeit bis zum Ende läuft, kommen die Kälber tot zur Welt. Sie weisen eine verkürzte Wirbelsäule, anormal lange Klauen und anormale Organe auf.

Holstein Haplotypen, welche die Fruchtbarkeit negative beeinflussen sind HH1, HH2, HH3, HH4, HH5.