Die Aufzucht von weiblichen Kälbern legt den Grundstein für eine gesunde und leistungsfähige Milchviehherde. Je mehr ein Kalb in den ersten Lebenswochen zunimmt und je weniger Krankheiten es im Laufe seiner Aufzucht entwickelt, desto mehr Milch geben die Färsen in ihrer ersten Laktation.

Direkt nach der Geburt ist die Kolostrumversorgung des neugeborenen Kalbes das wichtigste für die Gesunderhaltung der jungen Kälber. Kolostrum ist nicht nur Nahrung, sondern vor allem Medizin. Für die optimale Kolostrumversorgung der Kälber ist ein hohes Engagement notwendig. Gutes Kolostrummanagement berücksichtigt die 3 Q’s:  Quickly (schnell), Quality (hochwertig) und Quantity (viel).

 

Quickly – schnell

Die erste Kolostrumgabe muss schnellstmöglich nach der Geburt erfolgen, optimalerweise innerhalb der ersten Lebensstunde. Unbedingt muss die Kolostrumversorgung aber innerhalb der ersten 6 Lebensstunden gewährleistet sein, da ansonsten der Darm für die überlebenswichtigen Immunglobuline nicht mehr vollständig passierbar ist. Kälber, die nicht freiwillig Kolostrum aufnehmen, sollten mit Kolostrum gedrencht werden. Wichtig zu wissen ist, dass ein Drenchen der Kälber per se in Deutschland laut § 3 des Tierschutzgesetzes verboten ist.

 

Quality – hochwertig

Nutzen Sie qualitativ hochwertiges Kolostrum. Gutes Kolostrum wird durch folgende Kriterien ausgezeichnet:

 

a) Sicher – so weit möglich, sollte Kolostrum frei von Krankheitserregern wie Leukose, Salmonellen, BVD, Mykoplasmen, Staph. Aureus, Listerien, Mykobakterien und Leptospiren sein. Das Mischen des Kolostrums mehrerer Kühe sollte unterbleiben, um das Risiko der Übertragung von Erregern zu minimieren. Im Bedarfsfall kann Kolostrum pasteurisiert (erhitzen auf 60°C für 30min) werden, um das Keimwachstum einzudämmen.

 

b) Potent – Für einen maximalen Effekt muss das Kolostrum eine hohe Immunglobulin-G(IgG)-Konzentration aufweisen. Gutes Kolostrum hat einen IgG-Wert von >50g/l. Der IgG-Gehalt kann nicht visuell ermittelt werden. Je früher das Kolostrum von der Kuh ermolken wird, desto besser ist in der Regel auch die Qualität, d.h. die Immunglobuline werden immer weiter verdünnt je später das erste Melken erfolgt. Für eine Schätzung des IgG-Gehalts kann ein Kolostrometer benutzt werden. Das Kolostrometer ist eine Glasspindel, die in die temperierte Milch (20°C, Herstellerangaben beachten!) gegeben wird. Durch die Spindel wird die Dichte des Kolostrums gemessen, was einen Rückschluss auf die Immunglobulinkonzentration ermöglicht. Für eine weitere etwas genauere und nicht temperaturabhängige Methode zur Bestimmung der Kolostrumqualität kann ein Brix-Refraktometer verwendet werden. Dazu wird ein Tropfen Kolostrum auf das Refraktometer gegeben, das Refraktometer gegen das Licht gehalten und der Wert abgelesen. Die ermittelte Brixzahl ist folgendermaßen zu interpretieren: <20% Brix schlechte Kolostrumqualität, 20-22% Brix mäßige Kolostrumqualität, >22% Brix gute Kolostrumqualität. Eine allgemeine Grundregel lautet auch, dass nur Milch von Kühen eingesetzt werden soll, die beim ersten Melken weniger als 8 kg Milch geben.

 

Quantity – viel

Innerhalb der ersten 6 Lebensstunden sollten Kälber 150-200g IgG erhalten, d.h. sie müssen mit 3-4l Kolostrum getränkt werden. Die Gabe kann einmalig erfolgen oder auf 2 Mahlzeiten verteilt werden.

Da bei manchen Kühen nicht ausreichend Kolostrum zur Verfügung steht, sollte immer tiefgefrorenes Kolostrum, das im Bedarfsfall aufgetaut werden kann, auf den Betrieben vorhanden sein.