Genetik zählt und zahlt sich aus! Als eine der günstigsten Investitionen hat man die Möglichkeit, mithilfe der Genetik die Wertschöpfung und Effizienz der Herde zu verbessern. Die Zuchtwertergebnisse können oft unrealistisch wirken oder unklar sein. Bei genauerer Betrachtung wird aber schnell deutlich, welchen Effekt die Genetik auf die Herde hat und wie sich dieser im Betriebsergebnis wiederspiegelt.

Mithilfe von Herdenmanagementprogrammen kann schnell die Differenz zwischen dem genetischem Potential einer Herde und der realen Umsetzung dessen ermittelt werden.  Bringen zweijährige Milchkühe die aufgrund des Bullenzuchtwertes zu erwartende Leistung? Werden diese Kühe entsprechend des Zuchtwertes Töchterfruchtbarkeit tragend? Ist der Zuchtwert Totgeburten (DSB) bei Bullentöchtern ein akkurater Indikator für die tatsächlichen Totgeburten?

Bei dem Blick in die Auswertungen muss man bedenken, dass nur erstlaktierende Kühe betrachtet werden um Umwelteinflüsse möglichst gering zu halten. Dieser Einfluss liegt im Management und der Umwelt, in der alle Kühe leben, begründet. Phänotyp = Genotyp + Umwelteffekte, d.h. je geringer die Umwelteinflüsse, desto sicherer kann die aktuelle Leistung auf die Genetik zurückgeführt werden.

Kühe mit mehr Laktationen können genauso verglichen werden. Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass die Ergebnisse im Laufe der Zeit verfälscht werden. Kühe mit schlechten oder gar keinen Leistungen werden, unabhängig vom Bullen, frühzeitig gemerzt und erreichen Folgelaktationen erst gar nicht. Um solche Ungenauigkeiten zu vermeiden, werden die Ergebnisse von erstlaktierenden Kühen verglichen.

Für ein besseres Verständnis der Zuchtwertergebnisse und wie diese in ein Mehr an Milch-kg, Trächtigkeiten und weniger Totgeburten übersetzt werden können, betrachten wir die DairyComp305 Auswertungen verschiedener Herden. Unter anderem eine reale Herde mit 600 Kühen aus Deutschland und einer Herde mit über 1500 Kühen in den USA.

 

Zuchtwert Milch

Beginnen wir mit dem Zuchtwert für Milch, welcher die Milchmenge indiziert, die Färsen, auf Basis der 305 Tage Milchleistung, mehr produzieren als ihre Herdenkolleginnen. Anhand dieser Daten vergleichen wir, welchen Einfluss Bullen mit einem höheren Zuchtwert Milch auf die tatsächlich produzierte Milchmenge hatten und wie sich dieser Effekt monetär bemerkbar macht.
In diesem Beispiel vergleichen wir die aktuelle 305 Tage Leistung mit dem dazugehörigen Zuchtwert Milch, um zu kontrollieren ob die genetisch zu erwartende Milch-menge auch produziert wird. Dafür wurden die Bullentöchter anhand des Zuchtwertes Milch des Vaters gruppiert.

Wie in der Tabelle deutlich wird, sollten die 25% Besten Tiere, genetisch gesehen, 1216  Pfund (lbs.) mehr Milch produzieren, als der Rest der Herde. Tatsächlich lag die Differenz bei 1403 Pfund, also deutlich über dem erwarteten Wert. Das bedeutet, dass aus jedem Pfund, auf das selektiert wurde, 1,02 Pfund Milch realisiert werden konnten. Diese erstlaktierenden Färsen haben somit etwas über ihrem zunächst erwarteten genetischen Potential Milch geliefert.

# TiereZuchtwert Milch (lbs.)305 ME (lbs.)305 ME (kg)
Beste 25%12112162672712123
Schlechteste 25%121-1582532411487
Differenz 13741403636

Warum wurde mehr Milch gemolken als erwartet?

Die meisten genetischen Auswertungen der 305 Milchleistung zeigen, dass die Werte nahe an den erwarteten Bullen Zuchtwerten liegen. Liegen diese Werte über den Zuchtwerten, liegt dies am Management. Nur bei einem Top Management kann das genetische Potential voll ausgereizt werden.

So kann eine komfortable Haltung und ein strukturiertes Management der Herde diesen Effekt haben. Bei gleichwertiger Aufstallung, Fütterung und Arbeitsroutinen aller Tiere ist es möglich das genetische Potential zum Ausdruck zu bringen. Eine 305 Tage Leistung von über 12000 kg zeigt, das genau dies auf dem dargestellten Betrieb umgesetzt wird.

# KüheDPRPregRate
Beste 25%131>1,121%
Schlechteste 25%113<-1,019%
Differenz2,12%

Vielleicht noch entscheidender ist die Datengenauigkeit. Ohne eine akkurate Dokumentation und Zuordnung der Väter zu den Kühen, kann das  Ergebnis immens verfälscht werden. Wenn durch die falsche Zuordnung Kühe fälschlicherweise im obersten oder untersten Viertel auftauchen, ist die Analyse wertlos.

Zuchtwert Töchterfruchtbarkeit (DPR)

Ein weiteres Beispiel für den Einsatz eines genetischen Plans ist die Töchterfruchtbarkeit. In der eben beschriebenen Herde wird beim Vergleich der PregRate deutlich, dass bei einer Rangierung nach dem Zuchtwert Töchterfruchtbarkeit, die Differenz zwischen den 25% Besten und 25% Schlechtesten bei 2% liegt.
Ein Anstieg des Zuchtwerts Töchterfruchtbarkeit um einen Punkt führt demnach zu einem Anstieg der PregRate um 1%. In anderen Worten sind die Kühe 4 Tage weniger offen. In dieser Herde liegen die Top Kühe beim Zuchtwert Töchterfruchtbarkeit 2,1 Punkte über den 25% schlechtesten Kühen. Demnach sind die Top Tiere 8 Tage früher trächtig.
In anderen Herden zeigte sich dieser Effekt noch deutlicher. Dort lagen bei der PregRate zwischen den Top 25% und den schlechtesten 25% sechs Prozentpunkte. Dies entspricht 24 Tagen – mehr als ein Brunstzyklus! Frühere Trächtigkeiten spiegeln sich für den Betrieb immer auch finanziell wieder.

Zuchtwert Totgeburtenrate (DSB)

Totgeborene Kälber sind ein ökonomischer Verlust für Milchviehbetriebe. Mit diesem Wissen nähern wir uns dem DSB auf dem Herden-Level. Der DSB Wert eines Bullen beschreibt, inwieweit Töchter anfällig für Totgeburten sind. Ein hoher DSB bedeutet eine höhere Wahrscheinlichkeit für zukünftige Totgeburten.

Für eine genaue Analyse des DSB sind wiederum akkurate Aufzeichnungen der Totgeburten nötig. Daraus ergeben sich auf einem Betrieb mit 1500 Kühen folgende Ergebnisse.

# KüheDSB% Totgeburten
Hoher DSB18310,413%
Niedriger DSB1465,13%
Differenz5,310%

Bei der Betrachtung werden erstlaktierenden Kühe nach dem Zuchtwert Totgeburten des Vaters rangiert. Es wird deutlich, dass Tiere mit einem niedrigen DSB Wert 10% mehr lebende Kälber geboren haben, als Kühe, deren Väter einen hohen DSB haben!

Dieser enorme Unterschied bei den lebend geborenen Kälbern wirkt sich ökonomisch stark auf das Ergebnis des Betriebes aus.

Genetik ist real!

In gut organisierten Betrieben mit genauen Aufzeichnungen, können zusätzliche Informationen ausgewertet werden. Nutzungsdauer (Link zu letztem Artikel), Eiweiß- und Fettgehalt sowie Totgeburten sind einige Beispiele, welche die Bedeutung der Genetik auf Herdenlevel verdeutlichen.

Die Selektion nach genomischen Zuchtwerten  zeigt, das sie ihre Erwartungen erfüllt – und sogar übertrifft! Allerdings können ohne eine genaue Tieridentifikation und Dateneingabe diese Effekte nicht ausgewertet und bestätigt werden.

Bei diesen Auswertungen wird deutlich, welche finanziellen Potentiale bei einem verhältnismäßig geringem Input realisiert werden können. Alle Beispiele verdeutlichen, dass…

… die Genetik einen enormen Wert hat.

… bei gutem Management diese Effekte auf dem Herdenlevel bestätigt werden.

… Herden in einer optimalen Umwelt und bei akkurater Identifikation ihre Erwartungen   häufig übertreffen.

… ein betriebsindividueller genetischer Plan, welchen Sie mit Ihrem Alta Vertreter erstellen, mögliche Potentiale bezüglich Profitabilität und Effizienz nutzbar machen kann.