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Zukünftige Leistung über die durchschnittlichen Tageszunahmen vorhersagen

Färsen werden immer häufiger mit Hilfe genomischer Typisierung einem Ranking unterzogen, welches als wichtige Entscheidungshilfe für ein strategisches Management genutzt wird. Dies ist aber nicht der einzig mögliche Weg. Wenn Sie nicht nur auf die Maximierung Ihres genetischen Fortschrittes bedacht sind, sondern auch auf Ihren zukünftigen Gewinn, gibt es alternative Methoden, um zu entscheiden, welche Färse den Betrieb verlassen soll und welche nicht.

Durchschnittliche Tageszunahmen als Selektionskriterium?

Verweise auf durchschnittliche Tageszunahmen (average daily gain= ADG) stammen typischerweise aus der Fleischindustrie und in letzter Zeit auch von Fütterungswissenschaftlern und Forschern. Studien bei Milchrindern haben gezeigt, dass einzelne Betriebe einen Einfluss der durchschnittlichen Tageszunahmen auf das zukünftige Potential der Milchleistung feststellen. Eine Studie der Cornell University hat bewiesen, dass jedes zusätzliche Kilogramm an Tageszunahmen bei Kälbern vor dem Absetzen in 1,113 Kilogramm mehr Milch in deren ersten Laktation zur Folge hat.

Das individuelle Wiegen von Kälbern zu festgelegten Zeitpunkten im ersten Lebensabschnitt erfasst die durchschnittlichen Tageszunahmen, welche ein effektives Mittel für die Vorhersage der Tiere mit den höchsten Leistungen in der ersten und folgenden Laktationen sein können.

In der untenstehenden Tabelle wird dies verdeutlicht. Auf diesem 2850- Kuh Holstein Betrieb in Wisconsin werden die Gewichte jedes einzelnen Kalbes bei der Geburt und beim Absetzen ermittelt. Anschließend wird mit der Herdenmanagement Software die durchschnittliche Tageszunahme jeden Tieres berechnet.

Tabelle 1Anzahl der TiereADGØ 305ME 1. Laktation
Gruppe 1 - Top 25% mit höchstem ADG332988 g15.016 kg
Gruppe 2 - Unterste 25% mit niedrigstem ADG304757 g14.442 kg
Unterschied231 g574 kg

Hier haben wir alle Tiere in der ersten Laktation basierend auf ihrer ursprünglichen durchschnittlichen Tageszunahme in Quartile eingeteilt. Die besten Tiere nahmen fast 1 kg pro Tag von der Geburt bis zum Absetzen zu, während die schlechtesten 25% der Tiere in der gleichen Zeit nur geringe Zunahmen von 757 g am Tag erreichten.

In der kurzen Zeit von zwei Jahren bis die Kälber in die melkende Herde gelangen, entsteht ein Unterschied zwischen den Tieren mit den höchsten zu den niedrigsten Tageszunahmen von beeindruckenden 574kg mehr produzierter Milch in durchschnittlicher 305-Tagesleistung. Das spiegelt die Ergebnissen der oben genannten Studie der Cornell Universität 2012 wider.

Genetik macht den Unterschied

Gehen wir mit der Analyse einen Schritt weiter, zeigt sich die Genetik in besseren und gesünderen Kälbern, die jeden Tag mehr wachsen.

Teilen wir die Gruppen der Analyse von oben in Tabelle 1 in zwei separate genetische Gruppen, sieht man wie sich die Tiere in jeder Gruppe im Verhältnis zu ihrer genetischen Vorhersage entwickeln. Das zeigt uns, ob durchschnittliche Tageszunahmen Auswirkungen darauf haben, was ein Tier aufgrund seines genetischen Potentials leisten kann.

Tabelle 2 zeigt ausschließlich Kühe der ersten Laktation, die sich in der Gruppe der besten 25% Färsen mit den höchsten durchschnittlichen Tageszunahmen von Geburt bis zum Absetzen befanden.  Innerhalb dieser Gruppe vergleichen wir die 305-Tageleistungen basierend auf dem Durchschnitt der Eltern für den Milchzuchtwert PTA Milch.

Tabelle 2 - Tiere mit höchsten durchschnittlichen TageszunahmenAnzahl der TiereADGØ PTAM ElternØ 305ME 1. Laktation
Beste 50% Elterndurchschnitt PTAM166993 g266 kg15.650 kg
Niedrigste 50% Elterndurchschnitt PTAM166984 g48 kg14.390 kg
Unterschied9 g218 kg1.260 kg

Hier wird deutlich, dass innerhalb der Kälber mit den besten durchschnittlichen Tageszunahmen, die Tiere mit dem höchsten Elterndurchschnitt für PTA Milch nach der Kalbung fast 1300 kg mehr Milch geben, als die Tiere mit einem niedrigeren Durchschnitt für PTA Milch.

Tabelle 3 unterscheidet sich dahingehend, dass hier die Kühe der ersten Laktation verglichen wurden, welche aufgrund ihrer durchschnittlichen Tageszunahmen zu den 25% schlechtesten zählen. Vergleichen wir die Milchleistungen innerhalb dieser niedrigen Gruppe, sehen wir, dass ein hoher Elterndurchschnitt für PTAM in nur 820 kg mehr Milch in der ersten Laktation resultiert.

Tabelle 2 - Tiere mit niedrigsten durchschnittlichen TageszunahmenAnzahl der TiereADGØ PTAM ElternØ 305ME 1. Laktation
Beste 50% Elterndurchschnitt PTAM152762 g258 kg14.863 kg
Niedrigste 50% Elterndurchschnitt PTAM152757 g25 kg14.042 kg
Unterschied5 g233 kg821 kg

Innerhalb beider Gruppen bedeutete ein höherer Elterndurchschnitt für PTAM sogar mehr Milch als durch die Genetik vorhergesagt. Trotzdem zeigt der Vergleich der Unterschiede in der 305-Tageleistung der ersten Laktation, dass die Gruppe mit den hohen durchschnittlichen Tageszunahmen die Gruppe mit den niedrigen Zunahmen um fast 450 kg Milch zusätzlich überholt.

Dies bedeutet, dass wenn Kälber das beste Futter und die beste Pflege bekommen und so höhere tägliche Zunahmen erreichen, ihre Gene sogar besser zum Ausdruck kommen, als erwartet.

Strategische Management Entscheidungen

Wenn es Ihre betriebliche Situation erfordert extra Färsen zu verkaufen, ist es besser dies auf strategische Art und Weise zu tun. Während genomische Tests für dieses Ziel sicher ihren Wert haben, kann das Überwachen und Messen der täglichen Zunahmen als eine effektive Alternative dienen.

Wenn die Tiere, die früh im Leben schneller wachsen, später eine höhere Leistung erbringen als andere, ist es eine leichte Entscheidung, die am schnellsten wachsenden Tiere in der Herde zu behalten. Wenn Sie die Kälber verkaufen, die von Beginn an auf einem unzureichenden Level wachsen, können Sie Futterkosten für Tiere, die deutlich weniger produzieren werden und die Aufzucht von Tieren, für die Sie auf dem Betrieb ggf. keinen Platz haben, vermeiden.

Zu wissen, dass diese gesunden Kälber extra Milch in den Tank liefern werden, bestärkt außerdem die Wichtigkeit von richtiger und fortschrittlicher Kälberfütterung und den Fokus auf allgemeine Kälbergesundheit. Selbst wenn die Zeiten gut sind, sollten Sie die Zukunft ihrer Milchherde immer im Auge haben.

Schnell gelesen

  • Wenn Sie einen strategischen Plan für die Selektion von Färsen einführen, bedenken Sie das individuelle Wiegen von Kälbern zu klar festgelegten Zeitpunkten im Leben, um durchschnittliche Tageszunahmen zu erfassen. Ein Ranking basierend auf Tageszunahmen, kann definieren welche Färsen behalten und welche verkauft werden. Dies hat einen großen Einfluss auf die zukünftigen Gesamtkosten der Produktion.

 

  • Nutzen Sie die Genetik, die Sie ausgewählt haben. Die Gene eines Tieres können nur dann bestmöglich entfaltet werden, wenn es die beste Fütterung und Pflege vom ersten Tag an erhält.  Der tägliche Zuwachs jedes Kalbes, sogar in den ersten Monaten, hat große Auswirkungen auf das Potenzial für die spätere Milchleistung.

References:

Soberon F, Raffrenato E, Everett RW and Van Amburgh ME. 2012. Preweaning milk replacer intake and effects on long-term productivity of dairy calves. J Dairy Sci. 2012 Feb;95(2):783-93. doi: 10.3168/jds.2011-4391.

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Die 3 Q’s des Kolostrum-Managements

Die Aufzucht von weiblichen Kälbern legt den Grundstein für eine gesunde und leistungsfähige Milchviehherde. Je mehr ein Kalb in den ersten Lebenswochen zunimmt und je weniger Krankheiten es im Laufe seiner Aufzucht entwickelt, desto mehr Milch geben die Färsen in ihrer ersten Laktation.

Direkt nach der Geburt ist die Kolostrumversorgung des neugeborenen Kalbes das wichtigste für die Gesunderhaltung der jungen Kälber. Kolostrum ist nicht nur Nahrung, sondern vor allem Medizin. Für die optimale Kolostrumversorgung der Kälber ist ein hohes Engagement notwendig. Gutes Kolostrummanagement berücksichtigt die 3 Q’s:  Quickly (schnell), Quality (hochwertig) und Quantity (viel).

 

Quickly – schnell

Die erste Kolostrumgabe muss schnellstmöglich nach der Geburt erfolgen, optimalerweise innerhalb der ersten Lebensstunde. Unbedingt muss die Kolostrumversorgung aber innerhalb der ersten 6 Lebensstunden gewährleistet sein, da ansonsten der Darm für die überlebenswichtigen Immunglobuline nicht mehr vollständig passierbar ist. Kälber, die nicht freiwillig Kolostrum aufnehmen, sollten mit Kolostrum gedrencht werden. Wichtig zu wissen ist, dass ein Drenchen der Kälber per se in Deutschland laut § 3 des Tierschutzgesetzes verboten ist.

 

Quality – hochwertig

Nutzen Sie qualitativ hochwertiges Kolostrum. Gutes Kolostrum wird durch folgende Kriterien ausgezeichnet:

 

a) Sicher – so weit möglich, sollte Kolostrum frei von Krankheitserregern wie Leukose, Salmonellen, BVD, Mykoplasmen, Staph. Aureus, Listerien, Mykobakterien und Leptospiren sein. Das Mischen des Kolostrums mehrerer Kühe sollte unterbleiben, um das Risiko der Übertragung von Erregern zu minimieren. Im Bedarfsfall kann Kolostrum pasteurisiert (erhitzen auf 60°C für 30min) werden, um das Keimwachstum einzudämmen.

 

b) Potent – Für einen maximalen Effekt muss das Kolostrum eine hohe Immunglobulin-G(IgG)-Konzentration aufweisen. Gutes Kolostrum hat einen IgG-Wert von >50g/l. Der IgG-Gehalt kann nicht visuell ermittelt werden. Je früher das Kolostrum von der Kuh ermolken wird, desto besser ist in der Regel auch die Qualität, d.h. die Immunglobuline werden immer weiter verdünnt je später das erste Melken erfolgt. Für eine Schätzung des IgG-Gehalts kann ein Kolostrometer benutzt werden. Das Kolostrometer ist eine Glasspindel, die in die temperierte Milch (20°C, Herstellerangaben beachten!) gegeben wird. Durch die Spindel wird die Dichte des Kolostrums gemessen, was einen Rückschluss auf die Immunglobulinkonzentration ermöglicht. Für eine weitere etwas genauere und nicht temperaturabhängige Methode zur Bestimmung der Kolostrumqualität kann ein Brix-Refraktometer verwendet werden. Dazu wird ein Tropfen Kolostrum auf das Refraktometer gegeben, das Refraktometer gegen das Licht gehalten und der Wert abgelesen. Die ermittelte Brixzahl ist folgendermaßen zu interpretieren: <20% Brix schlechte Kolostrumqualität, 20-22% Brix mäßige Kolostrumqualität, >22% Brix gute Kolostrumqualität. Eine allgemeine Grundregel lautet auch, dass nur Milch von Kühen eingesetzt werden soll, die beim ersten Melken weniger als 8 kg Milch geben.

 

Quantity – viel

Innerhalb der ersten 6 Lebensstunden sollten Kälber 150-200g IgG erhalten, d.h. sie müssen mit 3-4l Kolostrum getränkt werden. Die Gabe kann einmalig erfolgen oder auf 2 Mahlzeiten verteilt werden.

Da bei manchen Kühen nicht ausreichend Kolostrum zur Verfügung steht, sollte immer tiefgefrorenes Kolostrum, das im Bedarfsfall aufgetaut werden kann, auf den Betrieben vorhanden sein.

 

 

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Kälbergesundheit: Tränkemanagement bei durchfallerkrankten Kälbern

Was tun, wenn das Kalb an Durchfall erkrankt ist? Diese Frage kommt immer wieder auf. Um unter den zahlreich erhältlichen Mitteln das geeignete zu finden muss zunächst einmal deren Funktion geklärt werden. Im heutigen Teil unserer Serie klären wir die Möglichkeiten und Funktionen von Milch- Elektrolyt- und Wassertränken.

 

1. Inhaltsstoffe von Elektrolyttränken

Elektrolyttränken sollen das Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Energiedefizit sowie die Azidose durchfallkranker Kälber beheben. Dazu sollten in Elektrolyttränken folgende Inhaltsstoffe enthalten sein: (1) Elektrolyte (Na+, K+, Cl-), (2) Energiesubstrate, wie Glukose, und (3) Puffer. Die wichtigsten Substanzen, die als Puffer eingesetzt werden, sind Bikarbonat, Acetat, Propionat und Citrat. Wie viel von den entscheidenden Inhaltsstoffen in den Tränken enthalten sein soll sehen Sie in Tabelle 1.

 

Empfohlene Konzentrationen von Elektrolyten, Glucose und Puffern
Inhaltsstoff Empfohlene Konzentration (mmol/l)
Natrium (Na+) 80-140 mmol/l
Kalium (K+) 10-30 mmol/l
Chlorid (Cl-) 40-70 mmol/l
Glucose 150-200 mmol/l
Puffer 50-80 mmol/l

Häufig ist der Gehalt an Puffersubstanzen nicht deklariert. Eine Einschätzung der alkalisierenden Eigenschaften einer Elektrolyttränke kann auch durch die Berechnung der sogenannten strong ion difference (SID) erfolgen: SID = Na+ in mmol/l + K+ in mmol/l – Cl- in mmol/l. Die SID sollte mindestens 50-80 mmol/l betragen. Die besten Erfolge in der Bekämpfung der Azidose der durchfallkranken Kälber werden mit Tränken erzielt, die eine SID von >80 mmol/l aufweisen.
Neben den oben angeführten, unbedingt notwendigen Inhaltsstoffen weisen viele im Handel verfügbare Elektrolytprodukte noch weitere Inhaltsstoffe auf, von denen man sich positive Wirkungen verspricht. Die enthaltenen Substanzen können folgenden Gruppen zugeordnet werden:

 

  1. Quell- und schleimbildende Substanzen, wie Reisschleim, Flohsamen, Pektine/Propektine oder Bananenflocken,
  2. Prä- und Probiotika,
  3. Heilpflanzenextrakte, z.B. Anis, Fenchel, Kümmel oder Kamille,
  4. Absorbenzien, z.B. medizinische Kohle, Kaoline, Zeolithe
  5. Adstringenzien, wie Tannine, Gerbsäuren, Mineralsalze.

 

Diesen Substanzen werden u.a. schleimhautschützende, wasser- und toxinbindende oder entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben. Allerdings ist der Nutzen dieser Substanzen bisher nicht ausreichend wissenschaftlich an Kälbern untersucht und kann deshalb nicht empfohlen werden. Das wichtigste Ziel der Gabe von Elektrolyttränken ist der Ersatz von Flüssigkeit und Elektrolyten. Ein Zusatznutzen, der vor allem auf die Darmschleimhaut wirken soll, ist nicht nötig, da es sich bei Darmepithel um ein hochregeneratives Gewebe handelt. Solange nicht ausgeschlossen werden kann, dass diese Inhaltsstoffe auch schädliche Wirkungen entfalten, sind einfache Elektrolyttränken, die nur Elektrolyte, Glucose und Puffer enthalten, komplexen Tränken vorzuziehen.

 

2. Milchtränke

MilchtränkeBis vor einigen Jahren wurde den Landwirten geraten, ihren durchfallkranken Kälbern keine Milch zu geben. Man ging davon aus, dass durch die Krankheit die Verdauung der Milch nicht möglich sei und die Milchtränke den Durchfall verstärken könnte. Ein Problem des längerfristigen Milchentzugs ist die verminderte Energiezufuhr, die zur Abmagerung der kranken Tiere führt. Gerade kranke Tiere haben einen hohen Energiebedarf. Aus energetischer Sicht müsste ein Kalb 10 Liter einer Elektrolyttränke trinken, um die Energiemenge aufzunehmen, die in einem Liter Milch enthalten ist. In vielen Studien konnte belegt werden, dass die unverminderte Gabe von Milch in Kombination mit der Verabreichung von Elektrolyttränke keine negativen Effekte auf den Krankheitsverlauf von durchfallkranken Kälbern hat. Wird die Milchtränke nicht unterbrochen, nehmen die Tiere auch während der Erkrankung weiterhin zu. Deswegen wird heute allgemein empfohlen, die Milchtränke beim durchfallkranken Kalb beizubehalten.

Bei unveränderter Fütterung der durchfallkranken Kälber mit Milch ergibt sich die Frage, ob die Elektrolyttränke gleichzeitig oder zeitlich versetzt zur Milchtränke gegeben werden sollte. Lange Zeit wurde vermutet, dass die gleichzeitige Gabe von Elektrolyttränke und Milch die Labgerinnung im Labmagen der Kälber stören könnte, wodurch die Durchfallsymptomatik verstärkt würde. Dies wurde angenommen, da vor allem bikarbonat- und citrathaltige Elektrolyttränken die Milchgerinnung im Reagenzglas verhindern. In einer eigenen und einer Untersuchung aus den USA konnten keine negativen Effekte bei gleichzeitiger Gabe von Milch/Milchaustauscher und acetat-, propionat-, bikarbonat- sowie citrathaltigen Elektrolyttränke auf die Milchgerinnung im Labmagen gesunder Kälber nachgewiesen werden. Neueste Untersuchungen zur Milchgerinnung im Labmagen von durchfallkranken Kälbern konnten keine Störung der Labgerinnung bei gleichzeitiger Gabe von Elektrolyttränken und Milch nachweisen.

 

3. Elektrolyttränken bei Kälberdurchfall: Was? Wann? Wieviel?

Elektrolyttränken sollten zeitnah zum Auftreten erster Symptome der Diarrhoe verabreicht werden. Der Gesamtbedarf an Flüssigkeit setzt sich aus dem Grundbedarf (10 % der Körpermasse), dem aktuellen Volumendefizit und den fortlaufenden Flüssigkeitsverlusten zusammen. Der tägliche Grundbedarf an Flüssigkeit sollte durch die Milchtränke abgedeckt werden. Das aktuelle Flüssigkeits- und Elektrolytdefizit sowie die laufenden Verluste müssen durch zusätzliche Gaben von Flüssigkeit und Elektrolyten ersetzt werden.

Um ihren Energiebedarf zu decken, benötigen gesunde Kälber im ersten Lebensmonat mindestens 7,3 Liter Vollmilch  (bzw. Milchaustauscher mit 2,51 MJ ME/L) pro Tag. Ein krankes Kalb hat einen höheren Energiebedarf als ein gesundes, benötigt demzufolge mehr als 7,3 Liter Vollmilch. Eine hohe Milchaufnahme von Kälbern ist anzustreben, diese wirkt sich positiv auf die Körpermasseentwicklung sowohl bei gesunden, als auch bei kranken Kälbern aus. Zu diesem Zwecke wird die Milch am besten ad libitum verabreicht.

Die Fütterung hoher Milchmengen allein reicht allerdings nicht aus, um die Elektrolytverluste der durchfallkranken Kälber auszugleichen. Jedes durchfallkranke Kalb sollte mit einer Elektrolyttränke mit den empfohlenen Konzentrationen an Elektrolyten, Glucose und Puffersubstanzen (s. Tabelle 2) versorgt werden. Ein Kalb mit Diarrhoe verliert zwischen 6 und 10 Litern Flüssigkeit täglich, d. h. 6-10 Liter Elektrolyttränke sollten innerhalb von 24 Stunden an die kranken Kälber vertränkt werden. Ob nun exakt 7 oder 10 Liter gegeben werden müssen, ist nebensächlich. Wichtiger ist, dass die Kälber unverzüglich Elektrolyttränke bekommen und dass sie diese bis zum Abklingen der Erkrankung in adäquater Menge (mind. 6 Liter) erhalten. Anhand der aktuellen Untersuchungen bestehen keine Bedenken das Elektrolytpulver/-gel in der Milchtränke direkt zuzubereiten. Die Elektrolytzubereitung kann in der gleichen Menge in Milch eingerührt werden, wie es für die Zubereitung in Wasser vorgesehen ist. Der Vorteil der Gabe von Elektrolyten über die Milchtränke ist, dass die Kälber – wenn sie rationiert gefüttert werden – an Zeiten und Mengen der Milchtränke gewöhnt sind und nicht lernen müssen zusätzlich zur Milchmahlzeit wasserbasierte Elektrolyttränke aufzunehmen. Allerdings ist bei der Gabe von Elektrolyten über die Milchtränke sicher zu stellen, dass die Kälber jederzeit freien Zugang zu Wasser haben müssen. Bei Elektrolyt-Milch-Gemischen handelt es sich um hypertone Lösungen (höherer Salzgehalt als der Salzgehalt im Blut), bei deren Verfütterung ohne die Möglichkeit zur Wasseraufnahme eine Kochsalzvergiftung ausgelöst werden könnte. Natürlich kann die Gabe der Elektrolyttränke auch im Wechsel mit der Milchtränke erfolgen, d.h. die Kälber erhalten 3-5mal täglich 2 Liter in Wasser zubereitete Elektrolytlösung. Ob die Elektrolyte in Milch oder Wasser angeboten werden, sollte sich an den jeweiligen Fütterungsbedingungen des Betriebs orientieren. In einer Untersuchung auf dem Lehr- und Versuchsgut Köllitsch des Landes Sachsen konnten geringe, aber nicht statistisch signifikante Unterschiede in der Durchfalldauer bei erkrankten Kälbern in Abhängigkeit von dem Tränkeregime erkannt werden: Kälber, die ad libitum mit Milch ernährt wurden und zusätzlich in Wasser zubereitete Elektrolyttränke erhielten, hatten mit 4,7 Tagen die kürzeste Durchfallepisode. Kälber, die die Elektrolyte über die rationierte Milchtränke erhielten, waren 5 Tage erkrankt. Die dritte Tränkegruppe erhielt rationiert Milch und wasserbasierte Elektrolyttränke im Wechsel und hatte mit 5,7 Tagen die längste Durchfalldauer. Kein Tier musste per Dauerinfusion versorgt werden. Fazit der Untersuchung: Wie die Elektrolyte gegeben werden, ist eher nebensächlich; wichtig ist, dass überhaupt welche gegeben werden.

 

Durchfalldauer, Milch- und Wasseraufnahme sowie Gewichtszunahme während einer Durchfallperiode
Milch-ORL Wasser-ORL Milch a.l. + Wasser-ORL
Durchfalldauer (Tage) 5,00 ± 1,39 5,65 ± 2,23 4,68 ± 1,63
Milchaufnahme (L) 5,06a ± 1,07 4,80a ± 1,26 7,15b ± 2,13
Wasseraufnahme (L) 1,72a ± 1,19 0,95b ± 0,96 0,63b ± 0,73
Gewichtszunahme (g) 658 ± 324 474 ± 265 587 ± 390

(arithmetischer Mittelwert ± Standardabweichung)

 

4. Wasser auch für junge Kälber!

In der Untersuchung in Köllitsch wurde außerdem die Wasseraufnahme gesunder und durchfallkranker Kälber geprüft. Auch in den ersten Lebenstagen nehmen Kälber Wasser auf (s. Abb. 2), obwohl die Wassergabe an Kälber erst nach dem 14. Lebenstag gesetzlich fixiert ist (Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung). Bekommen junge Kälber Durchfall, steigt die Wasseraufnahme signifikant an. Die höchste Wasseraufnahme zeigten Kälber, die die Elektrolyte über die Milchtränke erhielten, aber auch Kälber die ad libitum mit Milch getränkt wurden, nahmen Wasser auf (s. Tabelle 3).

Es ist wichtig, dass Kälber ab dem 1. Lebenstag Wasser zur freien Verfügung aufnehmen können. Durchfall tritt meist vor Erreichen des 14. Lebenstages auf. Sind Kälber ab dem 1. Lebenstag gewöhnt, Wasser aufzunehmen, können sie bei einer Durchfallerkrankung besser ihren Flüssigkeitshaushalt regulieren. Darüber hinaus nehmen Kälber, die frühzeitig Wasser zur freien Verfügung haben, mehr Kälberkorn auf und realisieren höhere Tageszunahmen.

Für weitere Informationen steht Ihnen unsere Tierärztin Dr. Lisa Bachmann zur Verfügung.

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Kälbergesundheit: Kälberdurchfall – Ursachen, Auswirkungen, Prophylaxe und Behandlung

Trotz diverser beim Tierarzt und im Handel erhältlicher Elektrolyttränken, sterben nach wie vor zu viele Kälber an den Folgen einer Durchfallerkrankung. In dieser zweiteiligen Serie wollen wir Ihnen helfen, die richtigen Maßnahmen beim Auftreten von Durchfallerkrankungen bei Ihren Kälbern einzuleiten. Denn vermutlich ist nicht der Mangel an Therapeutika, sondern häufig schlichtweg ein falsches Management Ursache für die hohe durchfallbedingte Kälbersterblichkeit.

1. Ursachen

Durchfallerkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache bei Kälbern. Neben dem wirtschaftlichen Schaden ist der hohe Tierverlust auch ein wesentlicher Imageschaden für die landwirtschaftlichen Betriebe. Die Ursachen für das Auftreten von Kälberdiarrhoe sind vielfältig. Sowohl infektiöse Ursachen wie Viren, Bakterien, Parasiten und Pilze als auch nicht-infektiöse Ursachen wie Mängel in der Kolostrumversorgung, Tränkezusammensetzung oder -technik spielen eine Rolle. In den meisten Fällen ist das Zusammenwirken mehrerer Faktoren für das Krankheitsgeschehen verantwortlich.

Bei erhöhtem Vorkommen von Durchfall im Betrieb sollte in jedem Fall der bestandsbetreuende Tierarzt zu Rate gezogen werden, um die Ursachen zu ermitteln und so gut wie möglich abzustellen. Für die wichtigsten Durchfallerreger (Rota-, Coronaviren, E. coli, Kryptosporidien) existieren Schnelltests, die im Stall durchführbar sind und sofort Aufschluss über das Infektionsgeschehen im Bestand geben können.

Die Ernährung des neugeborenen Kalbes hat einen wesentlichen Einfluss auf das Auftreten von Durchfallerkrankungen. Faktoren, die aus Sicht der Tierernährung die Entstehung von Diarrhoen fördern, sind: (1) zu geringe oder zu späte Kolostrumversorgung der Kälber, (2) Einsatz von Milchaustauschern (MAT) mit milchfremdem Protein (Soja) und (3) hohe Sulfatgehalte im MAT sowie (4) Fehler in der Tränketechnik und -hygiene, wie zu hohe oder zu niedrige Tränketemperatur, unsachgemäße Zubereitung des MAT, Gabe großer Mengen pro Mahlzeit, unregelmäßige Fütterungszeiten, unzureichende Reinigung der Nuckeleimer und fehlerhafte Lagerung des MAT.

InfektiösNicht-Infektiös
VirenImmunstatus der Kälber
- Rota-, Coronaviren- Mängel in der Kolostrumversorgung
- BVD/MD- Mangelhafte Ernährung
- andere, z.B. Breda-, Calici- und Parvoviren- Muttertierimpfung
BakterienFehler in der Tränkezusammensetzung
- E.coli- Milchaustauscher mit milchfremdem Protein
- Salmonellen- MAT mit hohem Sulfatgehalt
- andere, z.B. Clostridien- MAT mit hohem Stärkegehalt
ProtozoenFehler in der Tränketechnik und/oder -hygiene
- Kryptosporidien- zu hohe oder zu niedrige Tränketemperatur
- Eimerien- unsachgemäße Zubereitung des Milchaustauschers
Pilze- Gabe großer Mengen/Mahlzeit
- unregelmäßige Fütterungszeiten
- unzureichende Reinigung der Nuckeleimer
- fehlerhafte Lagerung des MAT

2. Auswirkungen

Durch die Schädigung des Darmepithels verlieren durchfallkranke Kälber große Mengen an Elektrolyten und Flüssigkeit über den Kot. Das führt zur Austrocknung der kranken Tiere. Je länger und schlimmer die Erkrankung ist, desto eher sinkt der pH-Wert im Blut. Dies wird als Azidose bezeichnet. Eine starke Azidose und Austrocknung der Kälber kann dazu führen, dass die Tiere nicht mehr freiwillig trinken und vom Tierarzt per Dauerinfusion therapiert werden müssen. Ziel aller Maßnahmen, die auf den Betrieben bei Kälberdurchfall angewendet werden, muss sein, einen solch schlimmen Krankheitsverlauf zu vermeiden.

3. Prophylaxe von Durchfallerkrankungen

Neben dem Abstellen der Ursachen (s. Tabelle 1), Impfungen und gründlicher Hygiene sind folgende diätetische Prophylaxemaßnahmen Erfolg versprechend: (1) verlängerte Kolostrumfütterung bis zum 14. Lebenstag und (2) die Verabreichung der Milch als Kaltsauer- oder Joghurttränke zur freien Verfügung. Bei beiden Verfahren wird die Milch durch Ansäuerung hygienisiert und damit haltbar gemacht. Die Kaltsauertränke wird durch organische Säuren dickgelegt. Für die Joghurttränke wird Vollmilch kontinuierlich mit handelsüblichem Joghurt überimpft. Nähere Informationen hierzu finden Sie auf der Homepage des bayerischen Landesamts für Landwirtschaft.

4. Behandlung von Durchfallerkrankungen

In den meisten Fällen ist eine ursächliche Therapie bei Kälberdiarrhoe nicht möglich, deswegen werden durchfallkranke Tiere vorwiegend symptomatisch therapiert. Die Verabreichung von Elektrolyttränken ist das Mittel der Wahl bei Kälbern, die noch selbständig trinken. Verlieren durchfallkranke Kälber die Sauglust, hat sich die einmalige Injektion von Meloxicam, in einer Untersuchung als geeignet erwiesen, den Appetit der kranken Tiere zu steigern. Dieser Wirkstoff, der schmerz- und entzündungshemmend wirkt, ist für die Behandlung bei Kälbern mit Durchfall zugelassen. Die Medikation kann versucht werden, um eine Infusionstherapie zu vermeiden. Wenn dies nicht zum Erfolg führt, sollte aus tierschutzrechtlichen Gründen, sofort eine Infusionstherapie eingeleitet werden. Die Gabe von Antibiotika ist bei Durchfallkälbern nicht indiziert, da die meisten Erkrankungen nicht ausschließlich einer bakteriellen Ursache zugeordnet werden können. Antibiotika beeinträchtigen die normale Darmflora, so dass ihre Applikation auch potentiell das Durchfallgeschehen verschlimmern kann.

Lesen Sie auch den Teil 2: Tränkemanagement durchfallkranker Kälber.

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