Trotz diverser beim Tierarzt und im Handel erhältlicher Elektrolyttränken, sterben nach wie vor zu viele Kälber an den Folgen einer Durchfallerkrankung. In dieser zweiteiligen Serie wollen wir Ihnen helfen, die richtigen Maßnahmen beim Auftreten von Durchfallerkrankungen bei Ihren Kälbern einzuleiten. Denn vermutlich ist nicht der Mangel an Therapeutika, sondern häufig schlichtweg ein falsches Management Ursache für die hohe durchfallbedingte Kälbersterblichkeit.

1. Ursachen

Durchfallerkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache bei Kälbern. Neben dem wirtschaftlichen Schaden ist der hohe Tierverlust auch ein wesentlicher Imageschaden für die landwirtschaftlichen Betriebe. Die Ursachen für das Auftreten von Kälberdiarrhoe sind vielfältig. Sowohl infektiöse Ursachen wie Viren, Bakterien, Parasiten und Pilze als auch nicht-infektiöse Ursachen wie Mängel in der Kolostrumversorgung, Tränkezusammensetzung oder -technik spielen eine Rolle. In den meisten Fällen ist das Zusammenwirken mehrerer Faktoren für das Krankheitsgeschehen verantwortlich.

Bei erhöhtem Vorkommen von Durchfall im Betrieb sollte in jedem Fall der bestandsbetreuende Tierarzt zu Rate gezogen werden, um die Ursachen zu ermitteln und so gut wie möglich abzustellen. Für die wichtigsten Durchfallerreger (Rota-, Coronaviren, E. coli, Kryptosporidien) existieren Schnelltests, die im Stall durchführbar sind und sofort Aufschluss über das Infektionsgeschehen im Bestand geben können.

Die Ernährung des neugeborenen Kalbes hat einen wesentlichen Einfluss auf das Auftreten von Durchfallerkrankungen. Faktoren, die aus Sicht der Tierernährung die Entstehung von Diarrhoen fördern, sind: (1) zu geringe oder zu späte Kolostrumversorgung der Kälber, (2) Einsatz von Milchaustauschern (MAT) mit milchfremdem Protein (Soja) und (3) hohe Sulfatgehalte im MAT sowie (4) Fehler in der Tränketechnik und -hygiene, wie zu hohe oder zu niedrige Tränketemperatur, unsachgemäße Zubereitung des MAT, Gabe großer Mengen pro Mahlzeit, unregelmäßige Fütterungszeiten, unzureichende Reinigung der Nuckeleimer und fehlerhafte Lagerung des MAT.

InfektiösNicht-Infektiös
VirenImmunstatus der Kälber
- Rota-, Coronaviren- Mängel in der Kolostrumversorgung
- BVD/MD- Mangelhafte Ernährung
- andere, z.B. Breda-, Calici- und Parvoviren- Muttertierimpfung
BakterienFehler in der Tränkezusammensetzung
- E.coli- Milchaustauscher mit milchfremdem Protein
- Salmonellen- MAT mit hohem Sulfatgehalt
- andere, z.B. Clostridien- MAT mit hohem Stärkegehalt
ProtozoenFehler in der Tränketechnik und/oder -hygiene
- Kryptosporidien- zu hohe oder zu niedrige Tränketemperatur
- Eimerien- unsachgemäße Zubereitung des Milchaustauschers
Pilze- Gabe großer Mengen/Mahlzeit
- unregelmäßige Fütterungszeiten
- unzureichende Reinigung der Nuckeleimer
- fehlerhafte Lagerung des MAT

2. Auswirkungen

Durch die Schädigung des Darmepithels verlieren durchfallkranke Kälber große Mengen an Elektrolyten und Flüssigkeit über den Kot. Das führt zur Austrocknung der kranken Tiere. Je länger und schlimmer die Erkrankung ist, desto eher sinkt der pH-Wert im Blut. Dies wird als Azidose bezeichnet. Eine starke Azidose und Austrocknung der Kälber kann dazu führen, dass die Tiere nicht mehr freiwillig trinken und vom Tierarzt per Dauerinfusion therapiert werden müssen. Ziel aller Maßnahmen, die auf den Betrieben bei Kälberdurchfall angewendet werden, muss sein, einen solch schlimmen Krankheitsverlauf zu vermeiden.

3. Prophylaxe von Durchfallerkrankungen

Neben dem Abstellen der Ursachen (s. Tabelle 1), Impfungen und gründlicher Hygiene sind folgende diätetische Prophylaxemaßnahmen Erfolg versprechend: (1) verlängerte Kolostrumfütterung bis zum 14. Lebenstag und (2) die Verabreichung der Milch als Kaltsauer- oder Joghurttränke zur freien Verfügung. Bei beiden Verfahren wird die Milch durch Ansäuerung hygienisiert und damit haltbar gemacht. Die Kaltsauertränke wird durch organische Säuren dickgelegt. Für die Joghurttränke wird Vollmilch kontinuierlich mit handelsüblichem Joghurt überimpft. Nähere Informationen hierzu finden Sie auf der Homepage des bayerischen Landesamts für Landwirtschaft.

4. Behandlung von Durchfallerkrankungen

In den meisten Fällen ist eine ursächliche Therapie bei Kälberdiarrhoe nicht möglich, deswegen werden durchfallkranke Tiere vorwiegend symptomatisch therapiert. Die Verabreichung von Elektrolyttränken ist das Mittel der Wahl bei Kälbern, die noch selbständig trinken. Verlieren durchfallkranke Kälber die Sauglust, hat sich die einmalige Injektion von Meloxicam, in einer Untersuchung als geeignet erwiesen, den Appetit der kranken Tiere zu steigern. Dieser Wirkstoff, der schmerz- und entzündungshemmend wirkt, ist für die Behandlung bei Kälbern mit Durchfall zugelassen. Die Medikation kann versucht werden, um eine Infusionstherapie zu vermeiden. Wenn dies nicht zum Erfolg führt, sollte aus tierschutzrechtlichen Gründen, sofort eine Infusionstherapie eingeleitet werden. Die Gabe von Antibiotika ist bei Durchfallkälbern nicht indiziert, da die meisten Erkrankungen nicht ausschließlich einer bakteriellen Ursache zugeordnet werden können. Antibiotika beeinträchtigen die normale Darmflora, so dass ihre Applikation auch potentiell das Durchfallgeschehen verschlimmern kann.

Lesen Sie auch den Teil 2: Tränkemanagement durchfallkranker Kälber.