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Category Archives: Wissen Milchwirtschaft

Zukünftige Leistung über die durchschnittlichen Tageszunahmen vorhersagen

Färsen werden immer häufiger mit Hilfe genomischer Typisierung einem Ranking unterzogen, welches als wichtige Entscheidungshilfe für ein strategisches Management genutzt wird. Dies ist aber nicht der einzig mögliche Weg. Wenn Sie nicht nur auf die Maximierung Ihres genetischen Fortschrittes bedacht sind, sondern auch auf Ihren zukünftigen Gewinn, gibt es alternative Methoden, um zu entscheiden, welche Färse den Betrieb verlassen soll und welche nicht.

Durchschnittliche Tageszunahmen als Selektionskriterium?

Verweise auf durchschnittliche Tageszunahmen (average daily gain= ADG) stammen typischerweise aus der Fleischindustrie und in letzter Zeit auch von Fütterungswissenschaftlern und Forschern. Studien bei Milchrindern haben gezeigt, dass einzelne Betriebe einen Einfluss der durchschnittlichen Tageszunahmen auf das zukünftige Potential der Milchleistung feststellen. Eine Studie der Cornell University hat bewiesen, dass jedes zusätzliche Kilogramm an Tageszunahmen bei Kälbern vor dem Absetzen in 1,113 Kilogramm mehr Milch in deren ersten Laktation zur Folge hat.

Das individuelle Wiegen von Kälbern zu festgelegten Zeitpunkten im ersten Lebensabschnitt erfasst die durchschnittlichen Tageszunahmen, welche ein effektives Mittel für die Vorhersage der Tiere mit den höchsten Leistungen in der ersten und folgenden Laktationen sein können.

In der untenstehenden Tabelle wird dies verdeutlicht. Auf diesem 2850- Kuh Holstein Betrieb in Wisconsin werden die Gewichte jedes einzelnen Kalbes bei der Geburt und beim Absetzen ermittelt. Anschließend wird mit der Herdenmanagement Software die durchschnittliche Tageszunahme jeden Tieres berechnet.

Tabelle 1Anzahl der TiereADGØ 305ME 1. Laktation
Gruppe 1 - Top 25% mit höchstem ADG332988 g15.016 kg
Gruppe 2 - Unterste 25% mit niedrigstem ADG304757 g14.442 kg
Unterschied231 g574 kg

Hier haben wir alle Tiere in der ersten Laktation basierend auf ihrer ursprünglichen durchschnittlichen Tageszunahme in Quartile eingeteilt. Die besten Tiere nahmen fast 1 kg pro Tag von der Geburt bis zum Absetzen zu, während die schlechtesten 25% der Tiere in der gleichen Zeit nur geringe Zunahmen von 757 g am Tag erreichten.

In der kurzen Zeit von zwei Jahren bis die Kälber in die melkende Herde gelangen, entsteht ein Unterschied zwischen den Tieren mit den höchsten zu den niedrigsten Tageszunahmen von beeindruckenden 574kg mehr produzierter Milch in durchschnittlicher 305-Tagesleistung. Das spiegelt die Ergebnissen der oben genannten Studie der Cornell Universität 2012 wider.

Genetik macht den Unterschied

Gehen wir mit der Analyse einen Schritt weiter, zeigt sich die Genetik in besseren und gesünderen Kälbern, die jeden Tag mehr wachsen.

Teilen wir die Gruppen der Analyse von oben in Tabelle 1 in zwei separate genetische Gruppen, sieht man wie sich die Tiere in jeder Gruppe im Verhältnis zu ihrer genetischen Vorhersage entwickeln. Das zeigt uns, ob durchschnittliche Tageszunahmen Auswirkungen darauf haben, was ein Tier aufgrund seines genetischen Potentials leisten kann.

Tabelle 2 zeigt ausschließlich Kühe der ersten Laktation, die sich in der Gruppe der besten 25% Färsen mit den höchsten durchschnittlichen Tageszunahmen von Geburt bis zum Absetzen befanden.  Innerhalb dieser Gruppe vergleichen wir die 305-Tageleistungen basierend auf dem Durchschnitt der Eltern für den Milchzuchtwert PTA Milch.

Tabelle 2 - Tiere mit höchsten durchschnittlichen TageszunahmenAnzahl der TiereADGØ PTAM ElternØ 305ME 1. Laktation
Beste 50% Elterndurchschnitt PTAM166993 g266 kg15.650 kg
Niedrigste 50% Elterndurchschnitt PTAM166984 g48 kg14.390 kg
Unterschied9 g218 kg1.260 kg

Hier wird deutlich, dass innerhalb der Kälber mit den besten durchschnittlichen Tageszunahmen, die Tiere mit dem höchsten Elterndurchschnitt für PTA Milch nach der Kalbung fast 1300 kg mehr Milch geben, als die Tiere mit einem niedrigeren Durchschnitt für PTA Milch.

Tabelle 3 unterscheidet sich dahingehend, dass hier die Kühe der ersten Laktation verglichen wurden, welche aufgrund ihrer durchschnittlichen Tageszunahmen zu den 25% schlechtesten zählen. Vergleichen wir die Milchleistungen innerhalb dieser niedrigen Gruppe, sehen wir, dass ein hoher Elterndurchschnitt für PTAM in nur 820 kg mehr Milch in der ersten Laktation resultiert.

Tabelle 2 - Tiere mit niedrigsten durchschnittlichen TageszunahmenAnzahl der TiereADGØ PTAM ElternØ 305ME 1. Laktation
Beste 50% Elterndurchschnitt PTAM152762 g258 kg14.863 kg
Niedrigste 50% Elterndurchschnitt PTAM152757 g25 kg14.042 kg
Unterschied5 g233 kg821 kg

Innerhalb beider Gruppen bedeutete ein höherer Elterndurchschnitt für PTAM sogar mehr Milch als durch die Genetik vorhergesagt. Trotzdem zeigt der Vergleich der Unterschiede in der 305-Tageleistung der ersten Laktation, dass die Gruppe mit den hohen durchschnittlichen Tageszunahmen die Gruppe mit den niedrigen Zunahmen um fast 450 kg Milch zusätzlich überholt.

Dies bedeutet, dass wenn Kälber das beste Futter und die beste Pflege bekommen und so höhere tägliche Zunahmen erreichen, ihre Gene sogar besser zum Ausdruck kommen, als erwartet.

Strategische Management Entscheidungen

Wenn es Ihre betriebliche Situation erfordert extra Färsen zu verkaufen, ist es besser dies auf strategische Art und Weise zu tun. Während genomische Tests für dieses Ziel sicher ihren Wert haben, kann das Überwachen und Messen der täglichen Zunahmen als eine effektive Alternative dienen.

Wenn die Tiere, die früh im Leben schneller wachsen, später eine höhere Leistung erbringen als andere, ist es eine leichte Entscheidung, die am schnellsten wachsenden Tiere in der Herde zu behalten. Wenn Sie die Kälber verkaufen, die von Beginn an auf einem unzureichenden Level wachsen, können Sie Futterkosten für Tiere, die deutlich weniger produzieren werden und die Aufzucht von Tieren, für die Sie auf dem Betrieb ggf. keinen Platz haben, vermeiden.

Zu wissen, dass diese gesunden Kälber extra Milch in den Tank liefern werden, bestärkt außerdem die Wichtigkeit von richtiger und fortschrittlicher Kälberfütterung und den Fokus auf allgemeine Kälbergesundheit. Selbst wenn die Zeiten gut sind, sollten Sie die Zukunft ihrer Milchherde immer im Auge haben.

Schnell gelesen

  • Wenn Sie einen strategischen Plan für die Selektion von Färsen einführen, bedenken Sie das individuelle Wiegen von Kälbern zu klar festgelegten Zeitpunkten im Leben, um durchschnittliche Tageszunahmen zu erfassen. Ein Ranking basierend auf Tageszunahmen, kann definieren welche Färsen behalten und welche verkauft werden. Dies hat einen großen Einfluss auf die zukünftigen Gesamtkosten der Produktion.

 

  • Nutzen Sie die Genetik, die Sie ausgewählt haben. Die Gene eines Tieres können nur dann bestmöglich entfaltet werden, wenn es die beste Fütterung und Pflege vom ersten Tag an erhält.  Der tägliche Zuwachs jedes Kalbes, sogar in den ersten Monaten, hat große Auswirkungen auf das Potenzial für die spätere Milchleistung.

References:

Soberon F, Raffrenato E, Everett RW and Van Amburgh ME. 2012. Preweaning milk replacer intake and effects on long-term productivity of dairy calves. J Dairy Sci. 2012 Feb;95(2):783-93. doi: 10.3168/jds.2011-4391.

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Wie stichhaltig und genau sind genomische Zuchtwerte?

Wir befinden uns mitten in der Ära der genomischen Zuchtwerte. Wie viele andere Milchviehhalter, setzen vermutlich auch Sie inzwischen sorgenfrei genomisch-geprüfte Bullen in Ihrem genetischen Plan ein.

Nichtsdestotrotz haben Sie möglicherweise nach wie vor Fragen zu den Unterschieden, die Sie zwischen genomisch-geprüften und töchtergeprüften Bullen erwarten können. Um Ihre Fragen adäquat zu beantworten, haben wir eine eingehende Analyse aller eingesetzten Bullen vorgenommen. Unser Ziel war es, herauszufinden, wie stichhaltig und genau die genomischen Zuchtwerte sind. Werden sie über einen längeren Zeitraum genauer oder nimmt ihre Genauigkeit ab?

Was haben wir daraus gelernt?

Grafik 1 zeigt den durchschnittlichen Unterschied des TPI (Total Performance Index = Gesamtzuchtwertindex eines Bullen) der ersten genomischen Zuchtwerte zu den Werten der töchtergeprüften Bullen im April 2017.
Der Unterschied des TPI ist der Abstand, der zwischen der blauen und orangefarbenen Linie liegt.

Grafik 1: Veränderung des TPI vom genomischen Zuchtwert 2013 zum töchtergeprüften Zuchtwert im April 2017

Obwohl die genomischen Zuchtwerte nach wie vor geringfügig erhöht sind, wird die Lücke zwischen genomischen Zuchtwerten und töchtergeprüften Bullen bei jeder Zuchtwertschätzung kleiner.

Sie möchten mehr Details?

Um die Daten in einem anderen Blickwinkel zu betrachten, schauen wir uns alle 1.078 Zuchtbullen aus dem Jahr 2013 an. Dies tun wir aus dem einfachen Grund, dass alle Zuchtbullen aus dem Jahr 2013 inzwischen in den Bereichen Produktion, Gesundheit und Exterieur töchtergeprüft sind.

Die glockenförmige Kurve in Grafik 2 zeigt den Mittelwert und die Standardabweichung des TPI aller 1.078 Bullen, die 2013 genomische Zuchtwerte erhielten.

Grafik 2: Histogramm der Unterschiede im TPI vom ersten genomischen Zuchtwert in 2013 zum töchtergeprüften Zuchtwert im April 2017

Wie Sie sehen können, hat sich der Wert durchschnittlich um weniger als 100 Punkte vom Veröffentlichungszeitraum der genomischen Zuchtwerte zur Töchterprüfung 2013 verändert. Einhundert dieser Bullen haben einen töchtergeprüften TPI, der um weniger als 20 Punkte von der ursprünglichen genomischen Prüfung abweicht. Nur ungefähr 40 der 1.078 Bullen haben mehr als 300 TPI-Punkte verloren – das sind weniger als 4%.

Der gleiche Trend lässt sich für die NM$-Gesamtzuchtwerte beobachten. Tabelle 4 zeigt den durchschnittlichen Unterschied und die Standardabweichung des NM$ derselben 1.078 Bullen, die 2013 genomisch geprüft wurden. Diese Bullen veränderten ihren Wert um ca. -103 NM$ von ihrem ursprünglichen genomischen Zuchtwert 2013 zu ihrem töchtergeprüften Wert im April 2017.

Fünfundneunzig Bullen blieben konstant innerhalb der geringen Differenz von 20 Punkten von ihrem genomischen Zuchtwert zum töchtergeprüften NM$-Wert. Weniger als 20 Bullen verzeichneten einen Unterschied von mehr als 300 NM$-Punkten.

Grafik 3: Histogramm des Unterschieds in NM$ vom genomischen Zuchtwert in 2013 zum töchtergeprüften Zuchtwert im April 2017

Momentan weisen unsere besten töchtergeprüften Bullen einen soliden durchschnittlichen TPI von 2507 Punkten auf. Jedoch weist die beste Gruppe der genomisch-geprüften Tiere einen Vorsprung von +217 Punkten gegenüber den töchtergeprüften Bullen auf! Unsere besten genomischen Bullen sind exklusiv unseren Advantage Kunden zugänglich. Wenn Sie Interesse an unserem Advantage Programm haben, sprechen Sie uns gerne an!

August 2017 Top genomisch-geprüfte BullenGTPI
AltaDRAGO2783
AltaKID2775
AltaSWAG2773
AltaAMULET2714
AltaMORENO2705
AltaPUEBLO2702
AltaBIGFORK2699
AltaEXPAT2699
AltaPURITY2698
AltaBOMBAST2692
Mittelwert2724
August 2017 Top töchtergeprüfte BullenTPI
AltaCR2670
AltaSPRING2622
AltaROBLE2559
AltaRABO2505
AltaJAKE2479
AltaBGOOD2476
AltaENTRUST2457
AltaEMBASSY2456
AltaGILCREST2440
AltaMERCI2406
Mittelwert2507

Einige Bullen gewinnen Punkte, andere verlieren Punkte, jedoch sind Ihre Chancen gleich Null, dass jeder einzelne Bulle an der Spitze der genomisch-geprüften Tiere unter die Werte der aktuellen töchtergeprüften Bullen fällt.

Während Sie die genetischen Entscheidungen für Ihre Herde treffen, behalten Sie immer folgendes im Hinterkopf:

  1.  Genomische Zuchtwerte sind geringfügig erhöht. Mit jeder Zuchtwertschätzung der genomischen zu den töchtergeprüften Zuchtwerten der TPI- und NM$-Werte jedoch wird der Unterschied dank Modelländerungen geringer.
  2.  Der durchschnittliche TPI- und NM$-Unterschied zwischen den genomischen Zuchtwerten zu den töchtergeprüften Zuchtwerten der Bullen aus dem Jahr 2013 liegt bei ca. -100 Punkten. Trotz dieses Unterschieds vollziehen Sie einen deutlich schnelleren genetischen Fortschritt, wenn Sie eine Gruppe von Bullen mit genomischen Zuchtwerten verwenden, als wenn Sie auf eine Gruppe mit ausschließlich töchtergeprüften Zuchtwerten zurückgreifen.
  3.  Stellen Sie sicher, dass die genetischen Veränderungen, die Sie vornehmen, Ihren Zielen angepasst sind. Wählen Sie eine Gruppe genomisch-geprüfter Bullen aus, die auf Ihren individuellen genetischen Plan zugeschnitten ist. Legen Sie ausschließlich Wert auf die Leistungs-, Gesundheits- und Exterieurmerkmale, die Ihnen am wichtigsten sind, um die Produktivität Ihres Betriebes in Zukunft voranzubringen.

 

Die Analyse der Zuchtwertschätzung sowie die Tabellen wurden von der PEAK-Genetikerin Ashley Mikshowsky durchgeführt und erstellt.

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Übersicht über die Änderungen der TPI-Formel

Im Zuge der Zuchtwertschätzung im August 2017 wird die Holstein Association (HA) USA die Indexe TPI, Udder Composite (UDC) und Foot & Leg Composite (FLC) aktualisieren. Im Folgenden werden Ihnen Hilfestellungen dabei gegeben, die Änderungen zu verstehen und abzuschätzen, wie diese die Bullenplatzierungen verändern könnten.

Wie bei allen Index-Änderungen, werden sich die Platzierungen der Bullen verändern. Die meisten Rangänderungen können wir darauf zurückführen, dass die Größe mit in die Berechnungen der UDC und FLC Indexe einfließt.

Änderungen in den nationalen Indexen erinnern uns daran, wie wichtig ein individuell erstellter genetischer Plan ist. Behalten Sie bei der Bewertung der Änderungen im UDC und TPI stets Ihren individuellen genetischen Plan im Kopf, um sicherzustellen, dass dieser auch weiterhin zu den gegenwärtigen und künftigen Zielen Ihres Betriebes passt.

Veränderungen beim Udder Composite Index (UDC)

Die größte Änderung im UDC ist, dass die Größe jetzt als eine negative Gewichtung mit eingerechnet wird, um eine moderatere Größe bei Holsteins in der Zukunft zu gewährleisten. Während alle individuellen Merkmalsgewichtungen innerhalb des UDC geringfügig angepasst wurden, wird die Größe von nun an einen relativen Anteil von 17% am UDC haben. Diese Veränderung entspringt hauptsächlich aus der verringerten Gewichtung der Eutertiefe.

Ein Vergleich zwischen den vorigen und neuen Berechnungen des UDC wird in Tabelle 1 dargestellt. Die größten Veränderungen sind in Fett hervorgehoben.

TABELLE 1Vorige Prozentanteile im UDCProzentanteile im UDC ab August 2017Änderung in %
Vordereuteraufhängung16%13%-3%
Hintereuterhöhe16%19%3%
Hintereuterbreite12%16%4%
Zentralband9%7%-2%
Eutertiefe35%17%-18%
Strichplatzierung vorne5%3%-2%
Strichplatzierung hinten (jetzt "hinteres Strichplatzierungsoptimum")7%4%-3%
Strichlänge (jetzt "Strichlängenoptimum")-4%4%
Größe--17%17%

Eine weitere Veränderung bei den Eutermerkmalen ist, dass sowohl die hintere Strichplatzierung als auch die Strichlänge von nun an zwei-wegs Merkmale sind und dementsprechend „hinteres Strichplatzierungsoptimum“ und „Strichlängenoptimum“ heißen.

Die hintere Strichlänge und –platzierung der Holsteins hat sich zu einem kürzeren und enger gestellten Durchschnitt entwickelt. Durch die Anpassung hin zu einem mittleren Optimum, im Gegensatz zu einem kurzen und engen, soll dabei geholfen werden, die Holsteins wieder in Richtung der erwünschten Norm zu züchten.

Die neue Foot & Leg Composite (FLC)

Wie schon bei dem UDC kommt die größte Veränderung auch im FLC durch die Addition der Größe in die Berechnung des Index. Tabelle 2 zeigt, dass der Hauptanteil der Prozentpunkte des neu hinzugefügten Merkmals aus der Minderung des Klauenwinkels und der Hinterbeinwinkelung stammt.

TABELLE 2Vorige Prozentanteile im FLCProzentanteile im FLC ab August 2017Änderung in %
Klauenwinkel24%8%-17%
Hinterbeinstellung19%18%-1%
Fundamentbewertung50%58%+8%
Größe-17%+17%
Hinterbeinwinkelung8%--8%
Veränderungen bei den TPI Zuchtwerten

Zusätzlich zu den Neuerungen beim UDC und FLC, wird die TPI-Formel ebenfalls aufgefrischt. Während die Verteilungen bei Leistung, Gesundheit und Exterieur gleich bleiben, wird sich die individuelle Gewichtung bei Leistung und Gesundheit verändern.

Die größte Veränderung in der TPI-Formel ist innerhalb der Leistungskategorie in Form eines neuen Fett-Eiweiß-Verhältnisses zu finden.
Alle Veränderungen finden Sie in der folgenden Tabelle:

TABELLE 3Vorige Prozentanteile im TPIProzentanteile im TPI ab August 2017
Eiweiß2721
Fett1617
Futtereffizienz38
LEISTUNG GESAMT46%46%
Fruchtbarkeitsindex1313
Nutzungsdauer74
Langlebigkeit-3
Zellzahl-5-5
Kalbeverlauf22
Totgeburtenrate11
GESUNDHEIT GESAMT28%28%
Euter1111
PTA Typ88
Fundamente66
Milchtyp-1-1
EXTERIEUR GESAMT26%26%

HA USA hat Fett, Eiweiß und die Futtereffizienz neu gewichtet und aus diesem Grund auch das Fett-Eiweiß-Verhältnis angepasst. Ab August 2017 wird 6% weniger Wert direkt auf Eiweiß gelegt. Dafür wird 5% mehr Wert auf die Futtereffizienz und 1% mehr Wert auf Fett gelegt.

Als Hinweis für Sie wird im Folgenden dargestellt, wie die  Futtereffizienz berechnet wird. Bitte beachten Sie, dass in dieser Formel die „Body Size Composite“ durch die neue Berechnung „Body Weight Composite“ ersetzt wird.

Futtereffizienz = (-0,0187 x Milch) + (1,28 x Fett) + (1,95 x Eiweiß) – (12,4 x Body Weight Composite)

Zusätzlich zu den Anpassungen im Bereich Leistung wird HA USA nun auch die Langlebigkeit als neues Merkmal in die TPI-Formel aufnehmen. Die 3% Gewichtung auf Langlebigkeit werden direkt von dem Merkmal Nutzungsdauer abgezogen.

Was bedeuten diese Veränderungen?

Die Hinzunahme der Größe zum UDC und FLC, sowie die Neuerungen in der TPI-Formel, sind mit dem Ziel verbunden, Produzenten dabei zu unterstützen, mehr moderat gebaute, effizientere und profitablere Kühe zu züchten.

Indexe der nationalen Standards können sich jederzeit ändern. Diese Veränderungen sollten Sie erneut darauf hinweisen, wie wichtig es ist, Ihren individuellen genetischen Plan zu erstellen, anstatt auf einen allgemeinen Index zu setzen. Arbeiten Sie mit dem Alta Mitarbeiter Ihres Vertrauens zusammen, um Ihre individuelle Gewichtung in den Bereichen Leistung, Gesundheit und Exterieur zu setzen.
Wir möchten sicherstellen, dass Ihr genetischer Plan jederzeit mit der derzeitigen Situation und den Zukunftsvisionen Ihres Betriebes übereinstimmt und Sie bei dem Erreichen Ihrer Ziele unterstützt.

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Tragezeit als neues Zuchtmerkmal hinzugefügt

Der „Council on Dairy Cattle Breeding (CDCB)“ fügt den neuen Zuchtwert Bullen-Trächtigkeitsdauer und damit die Tragezeit als neues Merkmal in der Zuchtwertschätzung ab August 2017 für alle Rassen hinzu.

Der Zuchtwert zeigt den Einfluss der Bullen auf die Tragezeit der angepaarten Kühe. Er wird als Abweichung vom Mittelwert angegeben, welcher im Basisjahr 2010 bei 277 Tagen für Kühe der Rasse Holstein lag. Somit liegen Kalbungen eines Bullen mit einem Zuchtwert von +2.0 im Mittel bei 297 Tagen Tragezeit. Die Standardabweichung beträgt 1,4, was bedeutet, dass 68% der Bullen zwischen -1,4 und +1,4, sowie 95% zwischen -2,8 und 2,8 Tagen Abweichung liegen. Für Holstein Bullen ab dem Jahr 1995 wird eine Reichweite von 5,6 Tagen verkürzter und 6,4 Tagen verlängerter Tragezeit im Vergleich zum Durchschnitt angegeben. In Zukunft soll ebenso ein Merkmal für die Tragezeit der Töchter bereitgestellt werden.

Am nützlichsten kann die Tragezeit als Merkmal für Herden mit saisonalem Kalben sein. Hier können Bullen mit einem Zuchtwert für eine kürzere Tragezeit bei den Kühen angepaart werden, die bei der ersten Besamung nicht tragend geworden sind, sodass alle Kalbungen leichter auf einen bestimmten Zeitraum konzentriert werden können.

Die Tragezeit ermöglicht außerdem eine genauere Vorhersage des Geburtstermins des Kalbes. Dies trägt zu einem effizienteren Management bei der Stallbelegung von Close-Up Gruppen sowie zu einer besseren Planung der Trockenstelltermine und anschließend der Abkalbeboxenbelegung bei. Die genauere Datierung der Kalbung ist ebenso auf die rasseunterschiedlichen Erhebungen des Merkmals zurückzuführen, da die Tragezeit neben Alter und Jahreszeit ebenso aufgrund der Rasse variiert.

Momentan wird die Tragezeit nicht in den TPI oder den NM$ Index einbezogen.

Wenn neue Merkmale, wie die Tragezeit, implementiert werden, ist es wichtig, dass Sie Ihren Fokus auf der aktuellen Situation und den Zielen Ihres Betriebes haben. Arbeiten Sie mit dem Alta Mitarbeiter Ihres Vertrauens zusammen, um Ihren individuell erstellten genetischen Plan zu überprüfen und möglicherweise zu überarbeiten. Implementieren Sie neue Merkmale, wie die Tragezeit, nur in Ihren genetischen Plan, wenn er Sie bei dem Erreichen Ihrer betrieblichen Ziele unterstützt und in dessen Grundkonzept passt.

Erfahren Sie mehr über die aktuelle Forschung, die Erblichkeit und Korrelation des Merkmals Tragezeit, präsentiert durch Wright, Van Raden und Hutchinson bei den ASDA Meetings 2017.

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Die 3 Q’s des Kolostrum-Managements

Die Aufzucht von weiblichen Kälbern legt den Grundstein für eine gesunde und leistungsfähige Milchviehherde. Je mehr ein Kalb in den ersten Lebenswochen zunimmt und je weniger Krankheiten es im Laufe seiner Aufzucht entwickelt, desto mehr Milch geben die Färsen in ihrer ersten Laktation.

Direkt nach der Geburt ist die Kolostrumversorgung des neugeborenen Kalbes das wichtigste für die Gesunderhaltung der jungen Kälber. Kolostrum ist nicht nur Nahrung, sondern vor allem Medizin. Für die optimale Kolostrumversorgung der Kälber ist ein hohes Engagement notwendig. Gutes Kolostrummanagement berücksichtigt die 3 Q’s:  Quickly (schnell), Quality (hochwertig) und Quantity (viel).

 

Quickly – schnell

Die erste Kolostrumgabe muss schnellstmöglich nach der Geburt erfolgen, optimalerweise innerhalb der ersten Lebensstunde. Unbedingt muss die Kolostrumversorgung aber innerhalb der ersten 6 Lebensstunden gewährleistet sein, da ansonsten der Darm für die überlebenswichtigen Immunglobuline nicht mehr vollständig passierbar ist. Kälber, die nicht freiwillig Kolostrum aufnehmen, sollten mit Kolostrum gedrencht werden. Wichtig zu wissen ist, dass ein Drenchen der Kälber per se in Deutschland laut § 3 des Tierschutzgesetzes verboten ist.

 

Quality – hochwertig

Nutzen Sie qualitativ hochwertiges Kolostrum. Gutes Kolostrum wird durch folgende Kriterien ausgezeichnet:

 

a) Sicher – so weit möglich, sollte Kolostrum frei von Krankheitserregern wie Leukose, Salmonellen, BVD, Mykoplasmen, Staph. Aureus, Listerien, Mykobakterien und Leptospiren sein. Das Mischen des Kolostrums mehrerer Kühe sollte unterbleiben, um das Risiko der Übertragung von Erregern zu minimieren. Im Bedarfsfall kann Kolostrum pasteurisiert (erhitzen auf 60°C für 30min) werden, um das Keimwachstum einzudämmen.

 

b) Potent – Für einen maximalen Effekt muss das Kolostrum eine hohe Immunglobulin-G(IgG)-Konzentration aufweisen. Gutes Kolostrum hat einen IgG-Wert von >50g/l. Der IgG-Gehalt kann nicht visuell ermittelt werden. Je früher das Kolostrum von der Kuh ermolken wird, desto besser ist in der Regel auch die Qualität, d.h. die Immunglobuline werden immer weiter verdünnt je später das erste Melken erfolgt. Für eine Schätzung des IgG-Gehalts kann ein Kolostrometer benutzt werden. Das Kolostrometer ist eine Glasspindel, die in die temperierte Milch (20°C, Herstellerangaben beachten!) gegeben wird. Durch die Spindel wird die Dichte des Kolostrums gemessen, was einen Rückschluss auf die Immunglobulinkonzentration ermöglicht. Für eine weitere etwas genauere und nicht temperaturabhängige Methode zur Bestimmung der Kolostrumqualität kann ein Brix-Refraktometer verwendet werden. Dazu wird ein Tropfen Kolostrum auf das Refraktometer gegeben, das Refraktometer gegen das Licht gehalten und der Wert abgelesen. Die ermittelte Brixzahl ist folgendermaßen zu interpretieren: <20% Brix schlechte Kolostrumqualität, 20-22% Brix mäßige Kolostrumqualität, >22% Brix gute Kolostrumqualität. Eine allgemeine Grundregel lautet auch, dass nur Milch von Kühen eingesetzt werden soll, die beim ersten Melken weniger als 8 kg Milch geben.

 

Quantity – viel

Innerhalb der ersten 6 Lebensstunden sollten Kälber 150-200g IgG erhalten, d.h. sie müssen mit 3-4l Kolostrum getränkt werden. Die Gabe kann einmalig erfolgen oder auf 2 Mahlzeiten verteilt werden.

Da bei manchen Kühen nicht ausreichend Kolostrum zur Verfügung steht, sollte immer tiefgefrorenes Kolostrum, das im Bedarfsfall aufgetaut werden kann, auf den Betrieben vorhanden sein.

 

 

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Der Wert der Zuchtwerte

Genetik zählt und zahlt sich aus! Als eine der günstigsten Investitionen hat man die Möglichkeit, mithilfe der Genetik die Wertschöpfung und Effizienz der Herde zu verbessern. Die Zuchtwertergebnisse können oft unrealistisch wirken oder unklar sein. Bei genauerer Betrachtung wird aber schnell deutlich, welchen Effekt die Genetik auf die Herde hat und wie sich dieser im Betriebsergebnis wiederspiegelt.

Mithilfe von Herdenmanagementprogrammen kann schnell die Differenz zwischen dem genetischem Potential einer Herde und der realen Umsetzung dessen ermittelt werden.  Bringen zweijährige Milchkühe die aufgrund des Bullenzuchtwertes zu erwartende Leistung? Werden diese Kühe entsprechend des Zuchtwertes Töchterfruchtbarkeit tragend? Ist der Zuchtwert Totgeburten (DSB) bei Bullentöchtern ein akkurater Indikator für die tatsächlichen Totgeburten?

Bei dem Blick in die Auswertungen muss man bedenken, dass nur erstlaktierende Kühe betrachtet werden um Umwelteinflüsse möglichst gering zu halten. Dieser Einfluss liegt im Management und der Umwelt, in der alle Kühe leben, begründet. Phänotyp = Genotyp + Umwelteffekte, d.h. je geringer die Umwelteinflüsse, desto sicherer kann die aktuelle Leistung auf die Genetik zurückgeführt werden.

Kühe mit mehr Laktationen können genauso verglichen werden. Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass die Ergebnisse im Laufe der Zeit verfälscht werden. Kühe mit schlechten oder gar keinen Leistungen werden, unabhängig vom Bullen, frühzeitig gemerzt und erreichen Folgelaktationen erst gar nicht. Um solche Ungenauigkeiten zu vermeiden, werden die Ergebnisse von erstlaktierenden Kühen verglichen.

Für ein besseres Verständnis der Zuchtwertergebnisse und wie diese in ein Mehr an Milch-kg, Trächtigkeiten und weniger Totgeburten übersetzt werden können, betrachten wir die DairyComp305 Auswertungen verschiedener Herden. Unter anderem eine reale Herde mit 600 Kühen aus Deutschland und einer Herde mit über 1500 Kühen in den USA.

 

Zuchtwert Milch

Beginnen wir mit dem Zuchtwert für Milch, welcher die Milchmenge indiziert, die Färsen, auf Basis der 305 Tage Milchleistung, mehr produzieren als ihre Herdenkolleginnen. Anhand dieser Daten vergleichen wir, welchen Einfluss Bullen mit einem höheren Zuchtwert Milch auf die tatsächlich produzierte Milchmenge hatten und wie sich dieser Effekt monetär bemerkbar macht.
In diesem Beispiel vergleichen wir die aktuelle 305 Tage Leistung mit dem dazugehörigen Zuchtwert Milch, um zu kontrollieren ob die genetisch zu erwartende Milch-menge auch produziert wird. Dafür wurden die Bullentöchter anhand des Zuchtwertes Milch des Vaters gruppiert.

Wie in der Tabelle deutlich wird, sollten die 25% Besten Tiere, genetisch gesehen, 1216  Pfund (lbs.) mehr Milch produzieren, als der Rest der Herde. Tatsächlich lag die Differenz bei 1403 Pfund, also deutlich über dem erwarteten Wert. Das bedeutet, dass aus jedem Pfund, auf das selektiert wurde, 1,02 Pfund Milch realisiert werden konnten. Diese erstlaktierenden Färsen haben somit etwas über ihrem zunächst erwarteten genetischen Potential Milch geliefert.

# TiereZuchtwert Milch (lbs.)305 ME (lbs.)305 ME (kg)
Beste 25%12112162672712123
Schlechteste 25%121-1582532411487
Differenz 13741403636

Warum wurde mehr Milch gemolken als erwartet?

Die meisten genetischen Auswertungen der 305 Milchleistung zeigen, dass die Werte nahe an den erwarteten Bullen Zuchtwerten liegen. Liegen diese Werte über den Zuchtwerten, liegt dies am Management. Nur bei einem Top Management kann das genetische Potential voll ausgereizt werden.

So kann eine komfortable Haltung und ein strukturiertes Management der Herde diesen Effekt haben. Bei gleichwertiger Aufstallung, Fütterung und Arbeitsroutinen aller Tiere ist es möglich das genetische Potential zum Ausdruck zu bringen. Eine 305 Tage Leistung von über 12000 kg zeigt, das genau dies auf dem dargestellten Betrieb umgesetzt wird.

# KüheDPRPregRate
Beste 25%131>1,121%
Schlechteste 25%113<-1,019%
Differenz2,12%

Vielleicht noch entscheidender ist die Datengenauigkeit. Ohne eine akkurate Dokumentation und Zuordnung der Väter zu den Kühen, kann das  Ergebnis immens verfälscht werden. Wenn durch die falsche Zuordnung Kühe fälschlicherweise im obersten oder untersten Viertel auftauchen, ist die Analyse wertlos.

Zuchtwert Töchterfruchtbarkeit (DPR)

Ein weiteres Beispiel für den Einsatz eines genetischen Plans ist die Töchterfruchtbarkeit. In der eben beschriebenen Herde wird beim Vergleich der PregRate deutlich, dass bei einer Rangierung nach dem Zuchtwert Töchterfruchtbarkeit, die Differenz zwischen den 25% Besten und 25% Schlechtesten bei 2% liegt.
Ein Anstieg des Zuchtwerts Töchterfruchtbarkeit um einen Punkt führt demnach zu einem Anstieg der PregRate um 1%. In anderen Worten sind die Kühe 4 Tage weniger offen. In dieser Herde liegen die Top Kühe beim Zuchtwert Töchterfruchtbarkeit 2,1 Punkte über den 25% schlechtesten Kühen. Demnach sind die Top Tiere 8 Tage früher trächtig.
In anderen Herden zeigte sich dieser Effekt noch deutlicher. Dort lagen bei der PregRate zwischen den Top 25% und den schlechtesten 25% sechs Prozentpunkte. Dies entspricht 24 Tagen – mehr als ein Brunstzyklus! Frühere Trächtigkeiten spiegeln sich für den Betrieb immer auch finanziell wieder.

Zuchtwert Totgeburtenrate (DSB)

Totgeborene Kälber sind ein ökonomischer Verlust für Milchviehbetriebe. Mit diesem Wissen nähern wir uns dem DSB auf dem Herden-Level. Der DSB Wert eines Bullen beschreibt, inwieweit Töchter anfällig für Totgeburten sind. Ein hoher DSB bedeutet eine höhere Wahrscheinlichkeit für zukünftige Totgeburten.

Für eine genaue Analyse des DSB sind wiederum akkurate Aufzeichnungen der Totgeburten nötig. Daraus ergeben sich auf einem Betrieb mit 1500 Kühen folgende Ergebnisse.

# KüheDSB% Totgeburten
Hoher DSB18310,413%
Niedriger DSB1465,13%
Differenz5,310%

Bei der Betrachtung werden erstlaktierenden Kühe nach dem Zuchtwert Totgeburten des Vaters rangiert. Es wird deutlich, dass Tiere mit einem niedrigen DSB Wert 10% mehr lebende Kälber geboren haben, als Kühe, deren Väter einen hohen DSB haben!

Dieser enorme Unterschied bei den lebend geborenen Kälbern wirkt sich ökonomisch stark auf das Ergebnis des Betriebes aus.

Genetik ist real!

In gut organisierten Betrieben mit genauen Aufzeichnungen, können zusätzliche Informationen ausgewertet werden. Nutzungsdauer (Link zu letztem Artikel), Eiweiß- und Fettgehalt sowie Totgeburten sind einige Beispiele, welche die Bedeutung der Genetik auf Herdenlevel verdeutlichen.

Die Selektion nach genomischen Zuchtwerten  zeigt, das sie ihre Erwartungen erfüllt – und sogar übertrifft! Allerdings können ohne eine genaue Tieridentifikation und Dateneingabe diese Effekte nicht ausgewertet und bestätigt werden.

Bei diesen Auswertungen wird deutlich, welche finanziellen Potentiale bei einem verhältnismäßig geringem Input realisiert werden können. Alle Beispiele verdeutlichen, dass…

… die Genetik einen enormen Wert hat.

… bei gutem Management diese Effekte auf dem Herdenlevel bestätigt werden.

… Herden in einer optimalen Umwelt und bei akkurater Identifikation ihre Erwartungen   häufig übertreffen.

… ein betriebsindividueller genetischer Plan, welchen Sie mit Ihrem Alta Vertreter erstellen, mögliche Potentiale bezüglich Profitabilität und Effizienz nutzbar machen kann.

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TPI, PTA & Co. – Erklärung der amerikanischen Zuchtwerte

Für jeden Zuchtbullen wird die genetische Ausstattung für sein individuelles Exterieur und für seine individuelle Leistungsfähigkeit über sogenannte PTAs (Predicted Transmitting Abilities) beschrieben. Bestimmte, für den Züchter wichtige Eigenschaften eines Tieres, darunter auch einige PTAs, werden in sogenannten Gesamtzuchtwerten zu einem Gesamtbild eines Bullen zusammengefasst. Die Gesamtzuchtwerte können auf diese Weise als wichtiges Hilfsmittel für die Selektion verwendet werden, um überlegene Tiere zu identifizieren. Einen bedeutenden Gesamtzuchtwert beschreibt der TPI (Total Performance Index). Er gilt gemeinhin als Branchenstandard und wird daher für alle Alta Bullen berechnet.

Hier finden Sie eine Übersicht verschiedener PTAs und wichtiger Informationen zur Zuchtwertschätzung:

PTA: Predicted Transmitting Abilities

Bei den PTAs handelt es sich um Schätzwerte für die genetische Überlegenheit (oder Unterlegenheit) eines Bullen. Sie können auch als durchschnittlicher genetischer Wert, den ein Bulle in einem bestimmten Merkmal an seine Nachkommen vererbt, verstanden werden. Im Gegensatz zu den PTAs werden in Deutschland Zuchtwerte errechnet. Der Unterschied ist, dass beim Zuchtwert nur der halbe Wert an die Nachkommen weitergegeben wird.

1lb: 1 Pfund, entspricht 0,45 kg

GTPI: Genomic Total Performance Index
Der GTPI ist der genomische Gesamtzuchtwert.

NM$: Net Merit in Dollar
Mit dem NM$ Gesamtzuchtwert wird der zusätzliche monetäre Wert eines neuen Tieres für seine gesamte Lebensdauer angegeben.

AV: Alta Value in Dollar
Dieser Gesamtindex wurde von Alta entwickelt. Er wird als Nettowert angegeben, d.h. er drückt den monetären Mehrwert, den eine zusätzlich erzeugte Tochter während ihrer Lebensdauer produziert, direkt in eine heute vergleichbare Summe aus.

CM$: Cheese Merit in Dollar
Der CM$ wird von der USDA definiert und zielt auf Milch, die für die Käseverarbeitung gewonnen wird, ab. In diesen Index fließen neben der Milchleistung (52 %) auch die Tiergesundheit (36 %) und das Exterieur (12 %) mit ein.

 

Leistungsmerkmale:

PTAM: Predicted Transmitting Ability Milk
Mit dem PTAM wird der PTA für Milch angegeben.

PTAP: Predicted Transmitting Ability Protein
Der PTAP beschreibt den PTA für Protein, also den durchschnittlichen genetischen Wert, den ein Bulle für das Merkmal Protein an seine Nachkommen vererbt.

PTAF: Predicted Transmitting Ability Fat
Der PTAF beschreibt den PTA für Fett, also den durchschnittlichen genetischen Wert, den ein Bulle für das Merkmal Fett an seine Nachkommen vererbt.

FE: Feed Efficiency
Die Futtereffizienz bewertet die Futternutzungsrate eines Tieres. Dabei wird die Fähigkeit einer Kuh, große Mengen an Milch zu produzieren ohne dabei große Futtermengen zu konsumieren, untersucht. Die Futtereffizienz wird nach der folgenden Formel berechnet:
FE = (Geldwert der produzierten Milch)-(Futterkosten für zusätzliche Milch)-(zusätzliche Haltungskosten)

PTAT: Predicted Transmitting Ability Type (Exterieur)
Der PTAT beschreibt den PTA für das Exterieur, also den durchschnittlichen genetischen Wert, den ein Bulle für das Exterieur an seine Nachkommen vererbt. Die PTAT bewegen sich i.d.R. zwischen -3,0 und +3,0. Höhere Werte stehen dabei für eine bessere physikalische Anpassung.

CFP: Combined Fat and Protein
Der CFP gibt den kombinierten Fett- und Eiweißwert an. Als physiologischer Normalbereich werden für den CFP Werte zwischen 1,1 und 1,5 angenommen.

PTAC: Predicted Transmitting Ability Components
Mit dem PTAC wird der PTA für Inhaltsstoffe angegeben.

 

Exterieurmerkmale:

DF: Dairy Form
Der Milchtyp fließt mit 1 % in den TPI ein. Hier werden die Schärfe im Widerrist, der Rippenabstand, die Harmonie (in Form von Körperproportionen, Übergängen, Oberlinie, Haut und Haaren), sowie das Skelett, die Halslänge und die Kopfform eines Tieres bewertet.

UDC: Udder Composite
Der Euterindex ist das Ergebnis einer Studie der Holstein Association in den USA. Er stellt den Gesamtzuchtwert für das Euter dar. In den UDC fließen verschiedene Merkmale ein, die die Langlebigkeit von Kühen steigern. Dabei werden folgende Merkmale mit der entsprechenden Gewichtung einbezogen:

  • 35 % Eutertiefe
  • 16 % Vordereuteraufhängung
  • 16 % Hintereuterhöhe
  • 12 % Hintereuterbreite
  • 9 %   Zentralband
  • 7 %   Strichplatzierung, hinten
  • 5 %   Strichplatzierung, vorne

FLC: Feet & Legs Composite
Sowohl Klauen und Sprunggelenk, als auch die Hinterbeinstellung sind für Holsteinzüchter von großer Wichtigkeit. Der FLC stellt einen Wert dar, der genau diese Merkmale in den Fokus nimmt und somit als Gesamtzuchtwert für das Fundament verstanden werden kann. Er soll Holstein-Züchtern dabei helfen, die Langlebigkeit und die Profitabilität der Kühe zu steigern. Dabei werden folgende Merkmale in der dargestellten Gewichtung einbezogen:

  • 50 %    Fundamentbewertung
  • 24 %    Klauenwinkel
  • 18,5 % Hinterbeinstellung
  • 7,5 %   Hinterbeinwinkelung

RTP: Rear Teat Placement
Das Merkmal der hinteren Strichplatzierung ist insbesondere für Kühe, die am Roboter gemolken werden, interessant. Bei der Selektion nach diesem Merkmal wird darauf geachtet, dass eine ausreichende Distanz zwischen den einzelnen Strichen vorhanden ist, um so dem Roboter eine einfachere Erkennung, sowie ein einfacheres Erreichen der einzelnen Striche zu ermöglichen.

TL: Teat Lenght
Da die Länge der Striche geringer geworden ist, hilft eine Selektion auf Vererber längerer Zitzen dabei, die Befestigung der Melkeinheit sicherzustellen.

UD: Udder Depth
Die Eutertiefe ist insbesondere für robotergemolkene Tiere zu beachten, da sichergestellt werden muss, dass ausreichend Freiraum für das Melkgeschirr erhalten bleibt.

RLRV: Rear Leg Rear View
Die Hinterbein-Rückansicht ist ein relevantes Merkmal, da es Einfluss auf die Lebensproduktivität hat.

 

Gesundheitsmerkmale:

Da die Gesundheit, ebenso wie die Fruchtbarkeit, zu einem großen Teil vom Management und Umweltfaktoren beeinflusst werden, weisen diese Merkmale eine geringere Reliabilität auf, als beispielsweise Leistungs- oder Exterieurmerkmale.

PL: PTA Productive Life
Der PTA PL stellt eine Maßeinheit für den Zeitraum dar, den eine Kuh in einer Herde als „produktives“ Tier verbringt. Er repräsentiert, wie viele Monate zusätzlicher (oder weniger, sofern es sich um eine negative Zahl handelt) Lebenszeit von der Tochter eines Bullen erwartet werden kann. Die PTA PL liegt im Wertebereich zwischen -7,0 und +7,0. Hohe Werte werden dabei bevorzugt. Weist ein Bulle bspw. ein PL von +5,9 auf, bedeutet dies, dass die Nachkommen erwartungsgemäß fast 6 Monate länger in der Herde bleiben als ein durchschnittliches Tier.

SCS: PTA Somatic Cell Score
Zur Bestimmung des PTA Somatic Cell Scores werden die Ergebnisse der monatlichen Milchleistungsprüfung verwendet. Diese Auswertungen ergeben einen Indikator für das Mastitis-Risiko der Bullentöchter. Die PTAs für Somatic Cell Score bewegen sich i.d.R. im Bereich zwischen 2,5 und 3,5. Höhere Werte deuten darauf hin, dass Töchter höhere Zellzahlen aufweisen. Niedrige Werte sind deshalb erwünscht.

FI: Fertility Index
Der Fruchtbarkeitsindex kombiniert mehrere Reproduktionskomponenten in einem gemeinsamen Index. In den FI fließen ein: Die Fähigkeit als Färse aufzunehmen, die Fähigkeit als laktierende Kuh aufzunehmen, die generelle Fähigkeit nach der Kalbung wieder in den Zyklus zu starten, Brunstsymptome zu zeigen, sowie die Trächtigkeit aufrecht zu erhalten.

DCE: PTA Daughter Calving Ease
Die DCE beschreibt den maternalen Kalbeverlauf. Dieser misst die Fähigkeit einer bestimmten Kuh (d.h. der Tochter des jeweiligen Bullen) leicht zu kalben. Hohe Werte zeigen an, dass die Töchter des Bullen tendenziell schwerer kalben als bspw. Töchter von Bullen mit niedrigem DCE. Weltweit werden etwa 8 % der Kalbunge bei Rindern als „schwierig“ erfasst. Bullen, die eine DCE von bis zu 8 % aufweisen, werden daher als eher leichtkalbig eingeordnet und können bei Färsen und schmalen Kühen eingesetzt werden. Alle Bullen, die höhere Prozentzahlen aufweisen, sollten mit Vorsicht bei Färsen oder kleineren Kühen eingesetzt werden, da sie eine höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, zu einer Schwergeburt zu führen.

DPR: PTA Daughter Pregnancy Rate
Der DPR ist der Zuchtwert für Töchterfruchtbarkeit. Er ist dem deutschen Relativzuchtwert Reproduktion (RZR) sehr ähnlich. Er beschreibt den Anteil der nicht trächtigen Kühe, die innerhalb einer 21-Tage-Periode trächtig werden. In diesen Zuchtwert fließt als ein Parameter die Rastzeit ein. Hier wird beobachtet, wie schnell eine Kuh nach dem Kalben wieder brünstig wird. Weiterhin fließt auch die Konzeption in den DPR ein. Die DPR liegt üblicherweise im Wertebereich von +3,0 bis -3,0. Höhere Werte werden dabei bevorzugt.
Ein DPR-Wert von 1,0 bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Töchter dieses Bullen während eines Zyklus trächtig werden um 1% höher liegt als Tiere der Vergleichsbasis. Jede Steigerung um 1% ist gleichbedeutend mit einer 4 Tage kürzeren Güstzeit.

SCE: Sire Calving Ease
Der SCE kennzeichnet den paternalen Kalbeverlauf. Mit dem SCE wird gemessen, ob Kälber eines bestimmten Bullen schwer oder leicht geboren werden. Der Branchendurchschnitt SCE beträgt ~ 8%, was bedeutet, dass ca. 8 % der Geburten bei Färsen die zum ersten Mal kalben aufgrund des genetischen Einflusses des Vaters „schwer“ sind. Bullen, die eine SCE von bis zu 8 % aufweisen, werden daher als eher leichtkalbig eingeordnet.

SSB: Sire Stillbirth
Die SSB ist die paternale Totgeburtenrate. Dieser Parameter misst die Totgeburtenrate bei den Kälbern eines bestimmten Bullen.

DSB: Daughter Stillbirth
Die DSB ist die maternale Totgeburtenrate. Dieser Parameter misst die Totgeburtenrate einer bestimmten Kuh (d.h. der Tochter des jeweiligen Bullen).

SCR: Sire Conception Rate
Die paternale Konzeptionsrate ist ein Maß für die Fruchtbarkeit eines Bullen. Sie basiert auf Ergebnissen realer Trächtigkeitsuntersuchungen.

HCR: Heifer Conception Rate
Die Konzeptionsrate für Färsen gibt den prozentualen Anteil der tragenden Färsen an allen besamten Färsen in einem Zyklus an.

CCR: Cow Conception Rate
Die Konzeptionsrate für Kühe gibt den prozentualen Anteil der tragenden Kühe an allen besamten Kühen in einem Zyklus an.

EFI%: Estimated Future Inbreeding
Der geschätzte zukünftige Inzuchtkoeffizient wird ermittelt, indem in einer Stichprobe von Tieren eine theoretische Anpaarung jedes dieser Tiere mit einem bestimmten Bullen erfolgt. Für jede dieser theoretischen Anpaarungen wird dann die Inzuchtrate berechnet und über die gesamte Stichprobe gemittelt.
Neben dem EFI % existiert zusätzlich der GFI % (genomic future inbreeding), der jedoch nur solche Populationen für bestimmte Anpaarungen betrachtet, die genomisch getestet sind. Daher kann das genetische Profil eines Tieres genau betrachtet werden, anstatt zu schätzen, welche Gene es von welchem Elternteil erhielt. Hierdurch liefert der GFI % genauere Werte als der EFI %.

 

Genetische Codes für Hornlosigkeit:

PO: Observed polled – beobachtet hornlos
CP: Tested heterozygous polled  – Heterozygot hornlos getestet
PP: Homozygous polled – Homozygot hornlos getestet
RC: Carries gene for red hair Color – Kennzeichen für Rotfaktor

 

Funktionsstörende rezessive Gene und Haplotypen:

BL = Bovine Leukozyte Adhesion Deficiency (BLAD)   | TL = BLAD frei
Von BLAD betroffene Tiere weisen eine gestörte Funktion der weißen Blutzellen auf, wodurch sie anfällig für Infektionen sind.

CV = Complex Vertebral Malformation (CVM)   | TV = CVM frei
Von CVM betroffene Tiere weisen eine schwere Entwicklungsstörung der Wirbelsäule auf. Die Kälber werden abortiert, zu früh oder tot geboren. An der Wirbelsäule können Missbildungen auftreten, die Tiere können verkürzte Wirbelsäulen oder versteifte, nach innen verdrehte Gelenke an allen vier Gliedmaßen aufweisen.

DP = Deficiency of the Uridine Monophosphate Synthase (DUMPS)   | TD = DUMPS frei
Die schwerwiegendste Konsequenz einer Infektion mit DUMPS ist embryonaler Frühtod.

BY = Brachyspina   | TY = Brachyspina frei
Die Mehrzahl der von Brachyspina betroffenen Trächtigkeiten endet mit einem Verkalben innerhalb der 40 ersten Trächtigkeitstage. In den sehr seltenen Fällen, in denen die Trächtigkeit bis zum Ende läuft, kommen die Kälber tot zur Welt. Sie weisen eine verkürzte Wirbelsäule, anormal lange Klauen und anormale Organe auf.

Holstein Haplotypen, welche die Fruchtbarkeit negative beeinflussen sind HH1, HH2, HH3, HH4, HH5.

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Kälbergesundheit: Tränkemanagement bei durchfallerkrankten Kälbern

Was tun, wenn das Kalb an Durchfall erkrankt ist? Diese Frage kommt immer wieder auf. Um unter den zahlreich erhältlichen Mitteln das geeignete zu finden muss zunächst einmal deren Funktion geklärt werden. Im heutigen Teil unserer Serie klären wir die Möglichkeiten und Funktionen von Milch- Elektrolyt- und Wassertränken.

 

1. Inhaltsstoffe von Elektrolyttränken

Elektrolyttränken sollen das Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Energiedefizit sowie die Azidose durchfallkranker Kälber beheben. Dazu sollten in Elektrolyttränken folgende Inhaltsstoffe enthalten sein: (1) Elektrolyte (Na+, K+, Cl-), (2) Energiesubstrate, wie Glukose, und (3) Puffer. Die wichtigsten Substanzen, die als Puffer eingesetzt werden, sind Bikarbonat, Acetat, Propionat und Citrat. Wie viel von den entscheidenden Inhaltsstoffen in den Tränken enthalten sein soll sehen Sie in Tabelle 1.

 

Empfohlene Konzentrationen von Elektrolyten, Glucose und Puffern
Inhaltsstoff Empfohlene Konzentration (mmol/l)
Natrium (Na+) 80-140 mmol/l
Kalium (K+) 10-30 mmol/l
Chlorid (Cl-) 40-70 mmol/l
Glucose 150-200 mmol/l
Puffer 50-80 mmol/l

Häufig ist der Gehalt an Puffersubstanzen nicht deklariert. Eine Einschätzung der alkalisierenden Eigenschaften einer Elektrolyttränke kann auch durch die Berechnung der sogenannten strong ion difference (SID) erfolgen: SID = Na+ in mmol/l + K+ in mmol/l – Cl- in mmol/l. Die SID sollte mindestens 50-80 mmol/l betragen. Die besten Erfolge in der Bekämpfung der Azidose der durchfallkranken Kälber werden mit Tränken erzielt, die eine SID von >80 mmol/l aufweisen.
Neben den oben angeführten, unbedingt notwendigen Inhaltsstoffen weisen viele im Handel verfügbare Elektrolytprodukte noch weitere Inhaltsstoffe auf, von denen man sich positive Wirkungen verspricht. Die enthaltenen Substanzen können folgenden Gruppen zugeordnet werden:

 

  1. Quell- und schleimbildende Substanzen, wie Reisschleim, Flohsamen, Pektine/Propektine oder Bananenflocken,
  2. Prä- und Probiotika,
  3. Heilpflanzenextrakte, z.B. Anis, Fenchel, Kümmel oder Kamille,
  4. Absorbenzien, z.B. medizinische Kohle, Kaoline, Zeolithe
  5. Adstringenzien, wie Tannine, Gerbsäuren, Mineralsalze.

 

Diesen Substanzen werden u.a. schleimhautschützende, wasser- und toxinbindende oder entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben. Allerdings ist der Nutzen dieser Substanzen bisher nicht ausreichend wissenschaftlich an Kälbern untersucht und kann deshalb nicht empfohlen werden. Das wichtigste Ziel der Gabe von Elektrolyttränken ist der Ersatz von Flüssigkeit und Elektrolyten. Ein Zusatznutzen, der vor allem auf die Darmschleimhaut wirken soll, ist nicht nötig, da es sich bei Darmepithel um ein hochregeneratives Gewebe handelt. Solange nicht ausgeschlossen werden kann, dass diese Inhaltsstoffe auch schädliche Wirkungen entfalten, sind einfache Elektrolyttränken, die nur Elektrolyte, Glucose und Puffer enthalten, komplexen Tränken vorzuziehen.

 

2. Milchtränke

MilchtränkeBis vor einigen Jahren wurde den Landwirten geraten, ihren durchfallkranken Kälbern keine Milch zu geben. Man ging davon aus, dass durch die Krankheit die Verdauung der Milch nicht möglich sei und die Milchtränke den Durchfall verstärken könnte. Ein Problem des längerfristigen Milchentzugs ist die verminderte Energiezufuhr, die zur Abmagerung der kranken Tiere führt. Gerade kranke Tiere haben einen hohen Energiebedarf. Aus energetischer Sicht müsste ein Kalb 10 Liter einer Elektrolyttränke trinken, um die Energiemenge aufzunehmen, die in einem Liter Milch enthalten ist. In vielen Studien konnte belegt werden, dass die unverminderte Gabe von Milch in Kombination mit der Verabreichung von Elektrolyttränke keine negativen Effekte auf den Krankheitsverlauf von durchfallkranken Kälbern hat. Wird die Milchtränke nicht unterbrochen, nehmen die Tiere auch während der Erkrankung weiterhin zu. Deswegen wird heute allgemein empfohlen, die Milchtränke beim durchfallkranken Kalb beizubehalten.

Bei unveränderter Fütterung der durchfallkranken Kälber mit Milch ergibt sich die Frage, ob die Elektrolyttränke gleichzeitig oder zeitlich versetzt zur Milchtränke gegeben werden sollte. Lange Zeit wurde vermutet, dass die gleichzeitige Gabe von Elektrolyttränke und Milch die Labgerinnung im Labmagen der Kälber stören könnte, wodurch die Durchfallsymptomatik verstärkt würde. Dies wurde angenommen, da vor allem bikarbonat- und citrathaltige Elektrolyttränken die Milchgerinnung im Reagenzglas verhindern. In einer eigenen und einer Untersuchung aus den USA konnten keine negativen Effekte bei gleichzeitiger Gabe von Milch/Milchaustauscher und acetat-, propionat-, bikarbonat- sowie citrathaltigen Elektrolyttränke auf die Milchgerinnung im Labmagen gesunder Kälber nachgewiesen werden. Neueste Untersuchungen zur Milchgerinnung im Labmagen von durchfallkranken Kälbern konnten keine Störung der Labgerinnung bei gleichzeitiger Gabe von Elektrolyttränken und Milch nachweisen.

 

3. Elektrolyttränken bei Kälberdurchfall: Was? Wann? Wieviel?

Elektrolyttränken sollten zeitnah zum Auftreten erster Symptome der Diarrhoe verabreicht werden. Der Gesamtbedarf an Flüssigkeit setzt sich aus dem Grundbedarf (10 % der Körpermasse), dem aktuellen Volumendefizit und den fortlaufenden Flüssigkeitsverlusten zusammen. Der tägliche Grundbedarf an Flüssigkeit sollte durch die Milchtränke abgedeckt werden. Das aktuelle Flüssigkeits- und Elektrolytdefizit sowie die laufenden Verluste müssen durch zusätzliche Gaben von Flüssigkeit und Elektrolyten ersetzt werden.

Um ihren Energiebedarf zu decken, benötigen gesunde Kälber im ersten Lebensmonat mindestens 7,3 Liter Vollmilch  (bzw. Milchaustauscher mit 2,51 MJ ME/L) pro Tag. Ein krankes Kalb hat einen höheren Energiebedarf als ein gesundes, benötigt demzufolge mehr als 7,3 Liter Vollmilch. Eine hohe Milchaufnahme von Kälbern ist anzustreben, diese wirkt sich positiv auf die Körpermasseentwicklung sowohl bei gesunden, als auch bei kranken Kälbern aus. Zu diesem Zwecke wird die Milch am besten ad libitum verabreicht.

Die Fütterung hoher Milchmengen allein reicht allerdings nicht aus, um die Elektrolytverluste der durchfallkranken Kälber auszugleichen. Jedes durchfallkranke Kalb sollte mit einer Elektrolyttränke mit den empfohlenen Konzentrationen an Elektrolyten, Glucose und Puffersubstanzen (s. Tabelle 2) versorgt werden. Ein Kalb mit Diarrhoe verliert zwischen 6 und 10 Litern Flüssigkeit täglich, d. h. 6-10 Liter Elektrolyttränke sollten innerhalb von 24 Stunden an die kranken Kälber vertränkt werden. Ob nun exakt 7 oder 10 Liter gegeben werden müssen, ist nebensächlich. Wichtiger ist, dass die Kälber unverzüglich Elektrolyttränke bekommen und dass sie diese bis zum Abklingen der Erkrankung in adäquater Menge (mind. 6 Liter) erhalten. Anhand der aktuellen Untersuchungen bestehen keine Bedenken das Elektrolytpulver/-gel in der Milchtränke direkt zuzubereiten. Die Elektrolytzubereitung kann in der gleichen Menge in Milch eingerührt werden, wie es für die Zubereitung in Wasser vorgesehen ist. Der Vorteil der Gabe von Elektrolyten über die Milchtränke ist, dass die Kälber – wenn sie rationiert gefüttert werden – an Zeiten und Mengen der Milchtränke gewöhnt sind und nicht lernen müssen zusätzlich zur Milchmahlzeit wasserbasierte Elektrolyttränke aufzunehmen. Allerdings ist bei der Gabe von Elektrolyten über die Milchtränke sicher zu stellen, dass die Kälber jederzeit freien Zugang zu Wasser haben müssen. Bei Elektrolyt-Milch-Gemischen handelt es sich um hypertone Lösungen (höherer Salzgehalt als der Salzgehalt im Blut), bei deren Verfütterung ohne die Möglichkeit zur Wasseraufnahme eine Kochsalzvergiftung ausgelöst werden könnte. Natürlich kann die Gabe der Elektrolyttränke auch im Wechsel mit der Milchtränke erfolgen, d.h. die Kälber erhalten 3-5mal täglich 2 Liter in Wasser zubereitete Elektrolytlösung. Ob die Elektrolyte in Milch oder Wasser angeboten werden, sollte sich an den jeweiligen Fütterungsbedingungen des Betriebs orientieren. In einer Untersuchung auf dem Lehr- und Versuchsgut Köllitsch des Landes Sachsen konnten geringe, aber nicht statistisch signifikante Unterschiede in der Durchfalldauer bei erkrankten Kälbern in Abhängigkeit von dem Tränkeregime erkannt werden: Kälber, die ad libitum mit Milch ernährt wurden und zusätzlich in Wasser zubereitete Elektrolyttränke erhielten, hatten mit 4,7 Tagen die kürzeste Durchfallepisode. Kälber, die die Elektrolyte über die rationierte Milchtränke erhielten, waren 5 Tage erkrankt. Die dritte Tränkegruppe erhielt rationiert Milch und wasserbasierte Elektrolyttränke im Wechsel und hatte mit 5,7 Tagen die längste Durchfalldauer. Kein Tier musste per Dauerinfusion versorgt werden. Fazit der Untersuchung: Wie die Elektrolyte gegeben werden, ist eher nebensächlich; wichtig ist, dass überhaupt welche gegeben werden.

 

Durchfalldauer, Milch- und Wasseraufnahme sowie Gewichtszunahme während einer Durchfallperiode
Milch-ORL Wasser-ORL Milch a.l. + Wasser-ORL
Durchfalldauer (Tage) 5,00 ± 1,39 5,65 ± 2,23 4,68 ± 1,63
Milchaufnahme (L) 5,06a ± 1,07 4,80a ± 1,26 7,15b ± 2,13
Wasseraufnahme (L) 1,72a ± 1,19 0,95b ± 0,96 0,63b ± 0,73
Gewichtszunahme (g) 658 ± 324 474 ± 265 587 ± 390

(arithmetischer Mittelwert ± Standardabweichung)

 

4. Wasser auch für junge Kälber!

In der Untersuchung in Köllitsch wurde außerdem die Wasseraufnahme gesunder und durchfallkranker Kälber geprüft. Auch in den ersten Lebenstagen nehmen Kälber Wasser auf (s. Abb. 2), obwohl die Wassergabe an Kälber erst nach dem 14. Lebenstag gesetzlich fixiert ist (Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung). Bekommen junge Kälber Durchfall, steigt die Wasseraufnahme signifikant an. Die höchste Wasseraufnahme zeigten Kälber, die die Elektrolyte über die Milchtränke erhielten, aber auch Kälber die ad libitum mit Milch getränkt wurden, nahmen Wasser auf (s. Tabelle 3).

Es ist wichtig, dass Kälber ab dem 1. Lebenstag Wasser zur freien Verfügung aufnehmen können. Durchfall tritt meist vor Erreichen des 14. Lebenstages auf. Sind Kälber ab dem 1. Lebenstag gewöhnt, Wasser aufzunehmen, können sie bei einer Durchfallerkrankung besser ihren Flüssigkeitshaushalt regulieren. Darüber hinaus nehmen Kälber, die frühzeitig Wasser zur freien Verfügung haben, mehr Kälberkorn auf und realisieren höhere Tageszunahmen.

Für weitere Informationen steht Ihnen unsere Tierärztin Dr. Lisa Bachmann zur Verfügung.

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Kälbergesundheit: Kälberdurchfall – Ursachen, Auswirkungen, Prophylaxe und Behandlung

Trotz diverser beim Tierarzt und im Handel erhältlicher Elektrolyttränken, sterben nach wie vor zu viele Kälber an den Folgen einer Durchfallerkrankung. In dieser zweiteiligen Serie wollen wir Ihnen helfen, die richtigen Maßnahmen beim Auftreten von Durchfallerkrankungen bei Ihren Kälbern einzuleiten. Denn vermutlich ist nicht der Mangel an Therapeutika, sondern häufig schlichtweg ein falsches Management Ursache für die hohe durchfallbedingte Kälbersterblichkeit.

1. Ursachen

Durchfallerkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache bei Kälbern. Neben dem wirtschaftlichen Schaden ist der hohe Tierverlust auch ein wesentlicher Imageschaden für die landwirtschaftlichen Betriebe. Die Ursachen für das Auftreten von Kälberdiarrhoe sind vielfältig. Sowohl infektiöse Ursachen wie Viren, Bakterien, Parasiten und Pilze als auch nicht-infektiöse Ursachen wie Mängel in der Kolostrumversorgung, Tränkezusammensetzung oder -technik spielen eine Rolle. In den meisten Fällen ist das Zusammenwirken mehrerer Faktoren für das Krankheitsgeschehen verantwortlich.

Bei erhöhtem Vorkommen von Durchfall im Betrieb sollte in jedem Fall der bestandsbetreuende Tierarzt zu Rate gezogen werden, um die Ursachen zu ermitteln und so gut wie möglich abzustellen. Für die wichtigsten Durchfallerreger (Rota-, Coronaviren, E. coli, Kryptosporidien) existieren Schnelltests, die im Stall durchführbar sind und sofort Aufschluss über das Infektionsgeschehen im Bestand geben können.

Die Ernährung des neugeborenen Kalbes hat einen wesentlichen Einfluss auf das Auftreten von Durchfallerkrankungen. Faktoren, die aus Sicht der Tierernährung die Entstehung von Diarrhoen fördern, sind: (1) zu geringe oder zu späte Kolostrumversorgung der Kälber, (2) Einsatz von Milchaustauschern (MAT) mit milchfremdem Protein (Soja) und (3) hohe Sulfatgehalte im MAT sowie (4) Fehler in der Tränketechnik und -hygiene, wie zu hohe oder zu niedrige Tränketemperatur, unsachgemäße Zubereitung des MAT, Gabe großer Mengen pro Mahlzeit, unregelmäßige Fütterungszeiten, unzureichende Reinigung der Nuckeleimer und fehlerhafte Lagerung des MAT.

InfektiösNicht-Infektiös
VirenImmunstatus der Kälber
- Rota-, Coronaviren- Mängel in der Kolostrumversorgung
- BVD/MD- Mangelhafte Ernährung
- andere, z.B. Breda-, Calici- und Parvoviren- Muttertierimpfung
BakterienFehler in der Tränkezusammensetzung
- E.coli- Milchaustauscher mit milchfremdem Protein
- Salmonellen- MAT mit hohem Sulfatgehalt
- andere, z.B. Clostridien- MAT mit hohem Stärkegehalt
ProtozoenFehler in der Tränketechnik und/oder -hygiene
- Kryptosporidien- zu hohe oder zu niedrige Tränketemperatur
- Eimerien- unsachgemäße Zubereitung des Milchaustauschers
Pilze- Gabe großer Mengen/Mahlzeit
- unregelmäßige Fütterungszeiten
- unzureichende Reinigung der Nuckeleimer
- fehlerhafte Lagerung des MAT

2. Auswirkungen

Durch die Schädigung des Darmepithels verlieren durchfallkranke Kälber große Mengen an Elektrolyten und Flüssigkeit über den Kot. Das führt zur Austrocknung der kranken Tiere. Je länger und schlimmer die Erkrankung ist, desto eher sinkt der pH-Wert im Blut. Dies wird als Azidose bezeichnet. Eine starke Azidose und Austrocknung der Kälber kann dazu führen, dass die Tiere nicht mehr freiwillig trinken und vom Tierarzt per Dauerinfusion therapiert werden müssen. Ziel aller Maßnahmen, die auf den Betrieben bei Kälberdurchfall angewendet werden, muss sein, einen solch schlimmen Krankheitsverlauf zu vermeiden.

3. Prophylaxe von Durchfallerkrankungen

Neben dem Abstellen der Ursachen (s. Tabelle 1), Impfungen und gründlicher Hygiene sind folgende diätetische Prophylaxemaßnahmen Erfolg versprechend: (1) verlängerte Kolostrumfütterung bis zum 14. Lebenstag und (2) die Verabreichung der Milch als Kaltsauer- oder Joghurttränke zur freien Verfügung. Bei beiden Verfahren wird die Milch durch Ansäuerung hygienisiert und damit haltbar gemacht. Die Kaltsauertränke wird durch organische Säuren dickgelegt. Für die Joghurttränke wird Vollmilch kontinuierlich mit handelsüblichem Joghurt überimpft. Nähere Informationen hierzu finden Sie auf der Homepage des bayerischen Landesamts für Landwirtschaft.

4. Behandlung von Durchfallerkrankungen

In den meisten Fällen ist eine ursächliche Therapie bei Kälberdiarrhoe nicht möglich, deswegen werden durchfallkranke Tiere vorwiegend symptomatisch therapiert. Die Verabreichung von Elektrolyttränken ist das Mittel der Wahl bei Kälbern, die noch selbständig trinken. Verlieren durchfallkranke Kälber die Sauglust, hat sich die einmalige Injektion von Meloxicam, in einer Untersuchung als geeignet erwiesen, den Appetit der kranken Tiere zu steigern. Dieser Wirkstoff, der schmerz- und entzündungshemmend wirkt, ist für die Behandlung bei Kälbern mit Durchfall zugelassen. Die Medikation kann versucht werden, um eine Infusionstherapie zu vermeiden. Wenn dies nicht zum Erfolg führt, sollte aus tierschutzrechtlichen Gründen, sofort eine Infusionstherapie eingeleitet werden. Die Gabe von Antibiotika ist bei Durchfallkälbern nicht indiziert, da die meisten Erkrankungen nicht ausschließlich einer bakteriellen Ursache zugeordnet werden können. Antibiotika beeinträchtigen die normale Darmflora, so dass ihre Applikation auch potentiell das Durchfallgeschehen verschlimmern kann.

Lesen Sie auch den Teil 2: Tränkemanagement durchfallkranker Kälber.

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